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21.10.2010 10:32
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Interview: Middeldorf zur Rheinland-Debatte

Die bergischen Städte wollen vor allem international stärker mit dem Rheinland zusammenarbeiten - auch, um sich besser gegen das Ruhrgebiet zu behaupten. Das ST sprach mit Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Bergischen Entwicklungsagentur.

Herr Middeldorf, welchen Sinn sehen Sie in der Strategie?

Bodo Middeldorf: Wir merken immer stärker, dass sich zwei Metropolregionen herausbilden: das Rheinland und das Ruhrgebiet. Und da müssen wir uns entscheiden. Wir bleiben als Bergisches Städtedreieck zwar eigenständig, aber wir müssen auch größer denken. Und nicht zuletzt am Pendlerverhalten kann man ablesen, dass das Städtedreieck zum Rheinland gehört.

Welche Vorteile hat so eine Zusammenarbeit?

Middeldorf: Das Ruhrgebiet zum Beispiel tritt sehr geschlossen auf und hat deshalb eine gute Lobby bei der Landesregierung. Das Rheinland kann da einiges nachholen. Und es lohnt sich, wenn wir dabei sind.

Die Städte im Bergischen sorgen sich aber auch vor einem Bedeutungsverlust.

Middeldorf: Es wäre absolut falsch, die Identität der Städte aufzugeben und seine Wurzeln plötzlich im Rheinland zu suchen. Wir müssen aber auch sehen, dass es sinnlos ist, wenn die bergischen Städte einzeln ein Teil der Initiative werden. Die Zusammenarbeit im Städtedreieck wird ja nicht ersetzt, sondern ergänzt. Und da müssen wir mit einer Stimme sprechen. Sonst haben wir gegen andere Teilregionen des Rheinlandes wie Köln-Bonn oder Aachen keine Chance.

„Ich denke immer gerne vom wirtschaftlichen Nutzen her.“

Bodo Middeldorf

Wie könnte diese Zusammenarbeit aussehen?

Middeldorf: Zunächst ist eine Regionalkonferenz im nächsten Jahr geplant. Es ist auch erst einmal nicht vorgesehen, eine gemeinsame Organisation oder Institution zu schaffen. Für uns kann die Kooperation etwa in der Frage der Fördermittelzuweisung Vorteile bringen. Und auch in den Bereichen Marketing, Tourismus und Entwicklung der Infrastruktur können wir besser zusammenarbeiten. Alles sollte vor allem projektbezogen geschehen.

Verläuft so eine vage Zusammenarbeit nicht zwangsläufig im Sand?

Middeldorf: Von der Qualität des ersten Treffens hängt sehr viel ab. Ich würde mir wünschen, dass bereits dort über möglichst konkrete Projekte verhandelt wird.

Welche Projekte könnten das sein?

Middeldorf: Gerade bei der Infrastruktur gibt es Gesprächsbedarf. Es kann nicht sein, dass um das Bergische Städtedreieck herumgeplant wird. Wir müssen dem Land klarmachen, dass wir eine Region sind, die nicht vernachlässigt werden darf. Ich denke dabei immer gerne vom wirtschaftlichen Nutzen her. Also: Was bringt es den Menschen? Dann muss man auch keine gemeinsame Identität suchen oder konstruieren, wo keine ist. bjb