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15.08.2009 10:18
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In 30 Stunden zur Bürokauffrau

Mit Mitte 20 in die Lehre? „Sonst bekommt man immer nur so kleine Jobs“, sagen Jennifer Hartmann, Nadine Lehmacher und Yvonne Stamm. Sie wollen lieber „etwas lernen, statt zu Hause zu sitzen“ - und auch Vorbild für ihre Kinder sein. Die werden im Kindergarten oder in der Schule betreut, während die Gesellschaft für berufliche Bildung (gbb) ihre Mütter zu Bürokauffrauen macht - in Solingen (Yvonne Stamm), Remscheid (Nadine Lehmacher) und in Leverkusen (Jennifer Hartmann).

Projekt Ausbildung in Teilzeit (TABB) läuft seit Herbst 2008

Es ist eine Ausbildung, die noch Zeit für die Familie lässt: Die drei „Lehrlinge“ legen ihre IHK-Prüfung zwar wie üblich im dritten Jahr ab, sind aber nur 30 Stunden pro Woche in den gbb-Büros oder der Berufsschule. Damit setzt die Gesellschaft für berufliche Bildung im eigenen Haus um, was sie anderen Unternehmen empfiehlt - denn am gbb-Standort Remscheid läuft seit Oktober 2008 das Projekt TABB.

TABB soll das Bergische Land familienfreundlicher machen: In der Beratungssstelle zur Teilzeitausbildung an der Elberfelder Straße 96 lernen Unternehmer, aber auch angehende Azubis die Vorteile einer geringeren Ausbildungszeit pro Woche kennen. Bei Teilzeit ohne Verlängerung der Ausbildung müssen es mindestens 25 Wochenstunden sein, den Berufsschulunterricht eingerechnet. Bei einer Verlängerung der Ausbildungszeit um maximal ein Jahr werden mindestens 20 Wochenstunden gefordert.

Das TABB-Projekt wurde bereits von NRW-Familienminister Armin Laschet ausgezeichnet - was seine Popularität aber noch nicht extrem beflügelt hat. „Wir haben selbst bei der Agentur für Arbeit festgestellt, dass Teilzeitausbildung nicht überall bekannt ist“, sagt TABB-Beraterin Gerda Becker (Telefon: 0 21 91/6 94 56-14). Sie sieht einen Nutzen für Lehrherrn wie Lehrling: Die Firmen etwa zahlen die Vergütung nur anteilig und passen die Ausbildungszeiten ihren Betriebsstrukturen an; die Auszubildenden bringen Berufs- und Privatleben unter einen Hut.

Neben Menschen, die Zeit für Elternschaft oder eine Pflegetätigkeit benötigen, kennt Gerda Becker auch einen Leistungssportler, der durch eine Teilzeitausbildung Berufung und Beruf vereinbaren kann. „Man sollte etwas aus seinem Leben machen“, betonen die drei jungen Mütter, die sich jetzt bei der gbb ausbilden lassen. Geschäftsführerin Ursula Studthoff ist sicher, dass sie im nächsten Jahr weitere Teilzeit-Lehrstellen anbieten will. flm

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