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09.02.2012 10:30
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Im Kreißsaal der Gummibärchen - mit Video

Von Uli Preuss

Wenn Goldbären sprechen könnten, würden sie sofort von dem gemütlichen Maismehlbett schwärmen, in dem sie geboren werden. Zehn Minuten stehe ich daneben und schaue gebannt zu, wie die bunten, schmackhaften Kerlchen das Licht der Haribo-Welt erblicken. Auch Herr Röhrig ist immer wieder fasziniert davon. Meister Röhrig ist so eine Art Hebamme für Goldbären und – jetzt halten Sie sich fest – er isst sie auch noch auf. „Hätte ich sonst so eine Figur?“, denkt der Leiter der Produktionsstraße „Mogul 6“ laut und schaut gemütlich an sich herunter.

Wer den Goldbären bei der Geburt zusehen darf, muss sich gewissenhaft vorbereiten. Wie auf einer richtigen Geburtsstation eben. Hände waschen und dann rein in so einen lustigen, langen Papiermantel, den ich danach zum Anstreichen mit nach Hause nehmen darf. Auch eine „ziemlich blöd“ aussehende Papiermütze muss ich mir aufsetzen. Herr Drache ist stellvertretender Werkleiter, begleitet mich in den „Kreißsaal“ und hat eine viel schönere Mütze auf.

Goldbärengeburten passieren millionenfach am Tag im großen Werk an der Wuppertaler Straße, sind aber ganz selten fotografiert oder gefilmt worden. Das liegt daran, dass es ein unglaublich geheimes Geheimnis ist, ähnlich wie das Rezept der Coca-Cola.

Das Goldbären-Geheimrezept kennt auch der Thomas Gottschalk nicht

Die meisten Maschinen im Werk sind geheim, die Produktions-Verfahren sowieso und ganz besonders das geheime Geheimrezept. Das kennt auch der Thomas Gottschalk nicht, obwohl der immer so tut. Thommy hat sowieso gelogen. Ich schwöre: Im ganzen Werk habe ich keinen Tresor gesehen, in dem ein großer gelber Goldbär eingesperrt ist und das Rezept hütet. Das ist nämlich bei Herrn Röhrig und Herrn Menke im Kopf.

Letzterer kocht die Goldbärenmasse, bevor sie in die Formen gegossen wird. Jeder noch so kleine Goldbär bekommt dafür ein eigenes kleines Bettchen. Das sind dann viele bunte Bärchen in einer einzigen riesigen Form, „Puderkasten“ genannt. Gut und gerne einige hundert Goldbären schlummern in so einem Kasten, reifen ein paar Tage, bevor sie, vom Maismehl befreit, fröhlich in die Tüten hüpfen dürfen.

Neuerdings warten sie dann im Hochregallager auf die Reise in den Handel. Manche Goldbären kommen in den Discounter, die anderen werden geadelt. Denn nur ganz besonders gute Goldbären mit noch fruchtigeren Zutaten schaffen es zu Saftbären und damit den Weg nach Japan. Die Japaner lieben Saftbären und ihren besonders intensiven Geschmack.

Mein Besuch ist zu Ende. So, raus aus der Watte und weg mit der Mütze. Und rüber in den Haribo-Laden. Ich habe Appetit bekommen.

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