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29.10.2009 09:31
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Im Frühling kommt der Klingenschmied

Von Jan Crummenerl

Schon gebeugt von der Arbeit, schwingt der Geselle den schweren Hammer. Der Meister hält das Eisen auf dem Amboss und den Hammer für die feinen Schläge in der Hand. Am Amboss lehnen die fertigen Stücke: Schwerter. In einer Linie stehen der Kopf des Schmiedes, sein Hammer, das Eisen auf dem Amboss und die vollendeten Klingen. „Geist, Kraft, Arbeit und Produkt fließen so von oben nach unten“, erläutert Bildhauer Henryk Dywan sein Werk. In seiner Höhscheider Werkstatt steht das fertige Denkmal des Solinger Klingenschmiedes - aus Polyurethan, einem Hartschaumstoff.

Ein Denkmal für die Handwerker, die Solingen groß gemacht haben

„Früher nahm man Gips, aber dieser Stoff ist leichter.“ Vom Schmied und seinem Gesellen wird als nächstes eine Negativform hergestellt. Eine Gießerei bei Münster wird dann die Figuren in Bronze gießen. Dywan: „Das wird zwischen Dezember und Februar geschehen.“ Zurzeit stellt die Stadt Berechnungen für das Fundament des Denkmals an. „Wir rechnen damit, dass das Denkmal im Frühling aufgestellt werden kann“, sagt der Künstler.

„Die Kosten für das Denkmal sind mit 90 000 Euro veranschlagt“, berichtet Peter van de Loo, Vorsitzender des Verschönerungsvereins. Dieser hat das Geld durch Spenden aufgebracht. Nur die 10 000 Euro für das Fundament fehlen dem Verein. „Die Stadt hat die Absicht erklärt, das zu übernehmen.“

Damit kommt eine fast unendliche Geschichte nun zu einem guten Ende. Seit langen Jahren befassen sich der Verschönerungsverein und Henryk Dywan mit dem Thema. Verschiedene Vorschläge gab es von der Einzelfigur bis zu einer Dreiergruppe, verschiedene Standorte waren im Gespräch, etwa Neumarkt, Fronhof und Dreieck. „Vor rund zwei Jahren sind wir auf die Stadt zugegangen, damit endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden können“, so van de Loo. Seitdem hat die Sache Fahrt aufgenommen - auch dank der Denkmalbehörde - und ist durch Politik und Verwaltung gegangen.

Der Schmied und sein Geselle sind zwar stilisiert dargestellt, aber alles hat einen realistischen Hintergrund. An den Wänden von Dywans Werkstatt hängen alte Holzschnitte und historische Fotos, die Schmiede bei der Arbeit darstellen. So sind etwa die Formen von Hammer und Amboss diesen Darstellungen entnommen. Ebenso die Arbeitsweise zu zweit. Zudem hat Dywan Schmiede in seine Werkstatt eingeladen und sich beraten lassen.

„Hier geht es um die Schmiedekunst und um nichts Martialisches“, sagt van de Loo mit Blick auf das alte Klingenschmieddenkmal, das im Krieg zerstört wurde. Das alte Denkmal stelle auch nicht Peter Hahn dar, wie ein Historiker bestätigt, der sich intensiv mit dem Thema befasst hat. Der Volksmund habe es zum Peter-Hahn-Denkmal gemacht. „Das neue Denkmal soll zeigen, wem die Stadt ihren Ruhm zu verdanken hat.“ Nämlich den Handwerkern und hier besonders den Schmieden. Daran soll buchstäblich erinnert werden: „Denk’ mal!“

Und auf dem Alten Markt wird sich der neue Klingenschmied mit seinem Gehilfen gut mit dem Peter-Witte-Denkmal vertragen. „Das Thema passt ja auch gut zum Heimatdichter.“