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18.06.2011 12:44
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Hofgarten III: Taten folgen lassen

Von Thomas Kraft und Carina Dahlem

Ganze Geröllhalden scheinen Solingens Politikern von der Seele gefallen zu sein. Die inzwischen offiziell bestätige Nachricht, dass der niederländische Investor MAB in das Hofgarten-Projekt einsteigt und es am Neumarkt noch in diesem Sommer mit dem Bau des Einkaufszentrums losgehen soll, ist seit gestern Morgen das Thema in der Stadt. Das ST hatte exklusiv vorab berichtet.

Von einem „Riesenerfolg für Solingen“ spricht CDU-Fraktionschef Bernd Krebs. „Der Hofgarten ist ganz wichtig für die Entwicklung der Stadt. Er gibt den Händlern eine Perspektive.“ Ein dickes Lob für „ausgezeichnete Arbeit“ geht an die Rathaus-Spitze um Oberbürgermeister Norbert Feith und Planungsdezernent Hartmut Hoferichter. „Es lohnt sich, in dieser Stadt Optimist zu sein“, sagt Krebs. Zweifel, dass nach den vielen Ankündigungen in der Vergangenheit dieses Mal auch Taten folgen, will der Christdemokrat nicht formulieren. „Es gibt jetzt gar keinen Grund, an irgendetwas herumzunörgeln. Ich investiere einen großen Vertrauensvorschuss und gehe davon aus, dass die Pläne so realisiert werden, wie es exklusiv im Tageblatt stand.“

„Ein Lastwagen müsste mal dagegen fahren.“

Bernd Krebs (CDU) zum Hindernis Hedderich-Pavillon

Auch SPD-Fraktionschef Ernst Lauterjung erwartet mit dem Hofgarten-Durchbruch den lang ersehnten Schub für die Innenstadt. Mehrfach suchte er direkten Kontakt zum bisherigen Investor HLG und übte öffentlichen Druck aus, weil die Stagnation lähmend auf den Handel wirkte. Parteikollegin Friederike Sinowenka fordert nun attraktive Entwürfe und einen gelungenen Branchen-Mix für das Center. Die Stadt-Spitze sei gefordert, den nötigen Einfluss auszuüben. Nach den negativen Erfahrungen der vergangenen Jahre gehe es vor allem um Transparenz.

„Ein weiterer Aufschub mit all seinen negativen Folgen wäre unzumutbar und hätte fatale Folgen“, sagt FDP-Chef Ulrich G. Müller. Der Hofgarten sei für die Innenstadt lebensnotwendig. Der „hoch angesehene Partner MAB“ verspreche baldigen Fortschritt.

In die Freude über das Ende der Warterei mischt sich bei Grünen-Chef Reiner Daams auch Skepsis, „weil der Hofgarten zu groß für die Innenstadt ist“. Das werde Nachteile für andere bringen. „Wunderbar“ findet er aber, dass „der hässliche Klotz verschwindet“. Karstadtgebäude und Turmzentrum seien „ein Störfaktor für die Innenstadt“.

Licht und Schatten sieht auch Linkspartei-Fraktionschef Gerd Schlupp. Die eigentliche Nachricht vom Durchbruch stimmt ihn froh. Aber: „Hoffentlich werden die neuen Ankündigungen jetzt auch Realität. Ein erneuter Flop wäre eine Katastrophe für die Innenstadt.“ Es gelte, die sich bietenden Chancen nun klug zu nutzen und die Risiken, die auf dem Großprojekt lasten, so weit wie möglich zu minimieren. Schlupp fordert für das Center „einen gewissen Freizeitwert mit bezahlbarer Gastronomie“. Für den Neumarkt wünscht er sich mit Hilfe der Investoren eine Kinderspielfläche. Und ein neuer, origineller Name müsse her. „Hofgarten“ sei immer nur als Arbeitstitel gemeint gewesen. Dem Politiker schwebt ein Ideenwettbewerb vor, an dem sich alle Bürger beteiligen können.

„Die Innenstadt hing am Tropf. Jetzt tut sich was.“

Dieter Herzog Händler

Die Redaktion erreichte auch diese Mail von Anette Herzog vom „SchokoLaden“ am Ufergarten: „Gemeinsam mit unseren Kunden begrüßen wir diese gute Nachricht sehr. Die Freude über das prächtig restaurierte Tückmantel-Haus ist nicht länger getrübt: Die Innenstadt atmet auf!“ Dieter Herzog ergänzt: „Die Innenstadt hing am Tropf – jetzt tut sich was.“ Er ist sich sicher, dass der Hofgarten generell für mehr Kundschaft sorgen wird.   

„Gott sei Dank!“, war auch Dirk Rübs erster Gedanke, als er die Schlagzeile morgens im ST las. Er ist einer der Marktsprecher und hofft nun auf mehr Kaufkraft auf den Wochenmärkten. Nachdem das lange Warten endlich ein Ende hat, sorgt er sich auch überhaupt nicht um Staub, der von der Baustelle ausgehen könnte. Denn: Beim Tückmantel-Haus habe es auch „keine größere Beeinträchtigung“ gegeben. Zudem geht er nach Gesprächen mit der Stadt davon aus, dass der Markt nicht weichen muss.  

Jan Höttges, Vorsitzender des Initiativkreises Solingen, kennt einige Projekte des neuen Investors MAB. Beim Pariser „Domus“, einem herausragenden Einkaufszentrum, habe MAB „einen langen Atem“ bewiesen. Das macht Höttges Mut, dass das Unternehmen nachhaltig investiert. Die „Lähmung der Innenstadt“ sei jetzt passé. Angst vor Konkurrenz herrsche nicht, das Hofgarten-Projekt sei vielmehr „eine Befreiung“ für die Händler. Sein Fazit: Gerade mit dem O-Quartier und dem Hofgarten wird Solingen zum „attraktiven Standort“.