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31.12.2009 10:16
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„Hochschulfreiheit geht zu weit“

Ein enges Büro im fünften Stock, Grünpflanzen, Kaffeemaschine, Aktenstapel auf dem Tisch, ein Pastell-Bild der Müngstener Brücke an der Wand. Und wenn Iris Preuß-Buchholz aus dem Fenster schaut, sieht sie den breiten Strom an den Rheinterassen vorüber fließen. Doch für einen Abstecher in die Düsseldorfer Altstadt hat die SPD-Politikerin, die im Februar für die verstorbene Ulrike Apel-Haefs in den Landtag nachgerückt ist, noch keine Zeit gefunden.

War der Einstieg mitten in der Legislaturperiode schwierig?

Preuß-Buchholz: Die Hälfte der SPD-Fraktion kannte ich von früher. Ich hatte als ehemalige Mitarbeiterin von Ernst-Martin Walsken, Axel Dirx und Jürgen Kucharczyk ja schon Erfahrung mit parlamentarischer Arbeit. Jetzt arbeite ich in drei Ausschüssen: Schule und Weiterbildung; Innovation, Wissenschaft, Forschung sowie im Hauptausschuss. Das bedeutet Berge von Akten - heute habe ich aber extra für Ihren Besuch den Schreibtisch aufgeräumt (lacht).

Als studierte Lehrerin ist Bildungspolitik sicher Ihr Thema?

ZUR PERSON

BIOGRAFIE Iris Preuß-Buchholz (52) ist gebürtige Solingerin, verheiratet, Mutter eines Kindes. Studium an der Gesamthochschule Wuppertal, Ausbildung zur Lehrerin für Sozialwissenschaften und Geschichte. 1999 bis 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SPD-Landtagsabgeordneten, bis 2009 Büroleiterin der SPD in Remscheid und des damaligen Bundestagsabgeordneten Jürgen Kucharczyk.

POLITIK SPD-Mitglied seit 1977. Seit 2004 Mitglied des Stadtrates. Vize-Vorsitzende SPD-Unterbezirksvorstand Solingen.

Preuß-Buchholz: Alles spricht dafür, die Mädchen und Jungen schon im Kindergarten stärker zu fördern und dann in einem Gesamtschulsystem zu unterrichten, anstatt in der 4. Klasse eine viel zu frühe Auslese zu treffen. Aber vor allem die CDU klammert sich am bestehenden System fest. Dabei zeigen schon die Anmeldezahlen, dass die Hauptschulen keine Chance mehr haben.

Sie haben Verständnis für die Studenten-Proteste gezeigt: Was läuft schief an den Unis?

Preuß-Buchholz: Auch in NRW ist das Bachelor-Studium dilettantisch umgesetzt worden. In die Semester wird derart viel Stoff gepresst, dass für freies wissenschaftliches Arbeiten oder Nebenjobs, die viele Studenten besonders wegen der Studiengebühren brauchen, kaum Zeit bleibt. Trotz der Gebühren, die wir als SPD ablehnen, sind die Lernbedingungen vielerorts schlecht. Die Gebühren werden von manchen Universitäten nicht so eingesetzt, wie es ursprünglich gedacht war. Ich denke außerdem, dass unser Hochschulfreiheitsgesetz zu weit geht.

Wieso denn das?

Preuß-Buchholz: Kleinere Studiengänge klagen darüber, von den Universitätsleitungen vernachlässigt zu werden. Nehmen Sie das Beispiel Wuppertal: Dort gibt es zukünftig kein eigenes Fach Kommunikationsdesign mehr, während man sich an der Folkwang Hochschule ins Fäustchen lacht. Das ist besonders bedauerlich, weil sich die Absolventen in der Vergangenheit oft im Bergischen selbstständig gemacht haben. Auch Lehramtsfächern droht die Austrocknung, obwohl der Markt für Deutsch-, Mathe- oder Naturwissenschaftspädagogen leergefegt ist. Für viele Universitäten sind Studiengänge attraktiver, die gute Chancen haben, Drittmittel aus der Wirtschaft einzuwerben. Sie müssen sich landesweit stärker abstimmen, um ein ausreichend breites Angebot vorzuhalten.

Solingens größtes Problem ist das fehlende Geld. . .

Preuß-Buchholz: Das Land NRW muss beim Bund um eine Gemeindefinanzreform kämpfen und den Kommunen mit einem Entschuldungsfonds helfen. Wir haben zwar in Solingen zu sparen, können aber nicht so lange kürzen, bis die Stadt nicht mehr lebenswert ist.

2005 haben Sie Ihren Wahlkreis an Horst Westkämper (CDU) verloren. Stehen die Chancen diesmal besser?

Preuß-Buchholz: Die Fehler der Bundesregierung werden uns im Mai Rückenwind geben. Ab Januar beginnt der Wahlkampf, und ich will den Wahlkreis direkt holen. Als einzige amtierende SPD-Landtagsabgeordnete aus dem Bergischen hoffe ich zusätzlich auf einen guten Listenplatz.

Ist eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei im Landtag denkbar?

Preuß-Buchholz: Auf Landesebene hat sie utopische Ziele. Bleibt es dabei, sehe ich keine Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Es bleibt aber abzuwarten, welche Konstellationen nach der Wählerentscheidung entstehen. ab