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25.11.2010 09:09
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Hilfe für überforderte Eltern

Für Ärzte, Sozialarbeiter und andere Helfer ist es ein Dilemma: „Oft werden wir erst tätig, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wenn es schwere Vernachlässigung oder gar Misshandlung gab“, sagt Dr. Volker Soditt, Chefarzt der Kinderklinik am Klinikum Solingen. Um das zu ändern, nimmt Solingen am Modellprojekt „KinderZukunft NRW“ teil. Das Ziel: Familien bei Problemen früh zu unterstützen und Kindeswohlgefährdung gar nicht erst entstehen zu lassen. Gestern fand die Auftaktveranstaltung mit zahlreichen Teilnehmern aus Stadtverwaltung, Jugendhilfeträgern und Ärzten statt.

Das Projekt läuft bis 2012 und wird unter anderem vom Familien- und vom Gesundheitsministerium des Landes gefördert. Neben Solingen gibt es drei weitere Modellstandorte in NRW.

Ab März wird jede junge Mutter angesprochen

Ab 1. März soll am Klinikum eine Koordinatorin ihre Arbeit aufnehmen: Jede junge Mutter in der Klinik soll angesprochen werden, erläutert Soditt. „Aus dem Gespräch heraus ergeben sich meist bereits erste Ansätze.“ Mit Fragebögen werden Risikofaktoren abgefragt. Gibt es Probleme in der Familie? Fühlt die Mutter sich überfordert?

Das Angebot sei freiwillig, betont Dr. Martina Wegge vom Imo-Institut Hilden, dem Träger des Projekts. „Niemand wird gezwungen, Unterstützung anzunehmen.“ Erfahrungen zeigten jedoch, dass Familien kurz nach der Geburt eines Kindes oft dankbar dafür seien. „Laut Studien brauchen rund sieben Prozent der jungen Eltern Hilfe“, erklärt Ingolf Rascher vom Imo-Institut. Bei Bedarf kommt eine speziell ausgebildete Familienhebamme im ersten Lebensjahr des Kindes regelmäßig nach Hause. Sie soll auch den Kontakt zu den Ärzten halten.

Die Stelle der Koordinatorin im Klinikum werde derzeit ausgeschrieben, berichtet Dr. Volker Soditt. Die Fragebögen, die noch erarbeitet werden, sollen ab März auch auf der Geburtsstation der St. Lukas Klinik verteilt werden. „Oft fallen den Hebammen auch bereits erste Punkte auf“, weiß Prof. Dr. Klaus Meinen, Chefarzt der Geburtshilfe am Ohligser Krankenhaus.

Oberbürgermeister Norbert Feith lobte das Projekt gestern als „richtigen Ansatz“: „Man muss früh und genau erkennen, wo Überforderung da ist.“ Unterstützt werden Familien mit Kindern bis zu drei Jahren. Um sie auch über dieses Alter hinaus zu begleiten, sind Jugendhilfeträger, Stadtdienst Jugend und Einrichtungen für Kinder mit im Boot. Das Projekt laufe zwar zunächst nur bis Sommer 2012, erklärt Wegge: „Ziel ist jedoch, dass es landesweit zur Regelversorgung wird.“ asc