INTERVIEW Autor Matthias Gerschwitz (50) liest aus seinem Buch über das Leben als Betroffener.
Das Gespräch führte Susanne Schramm
Was gab den Anstoß, dieses Buch zu schreiben? Matthias Gerschwitz:Eigentlich zwei Sachen. Erstens, dass ich wieder einmal feststellen musste, wie wenig eigentlich über diese Erkrankung bekannt ist. Da gibt es immer noch mehr Vorurteile als Fakten. Die meisten reden über etwas, aber nicht von etwas. Ich bin ja selbst betroffen, ich spreche also als „Insider“. Und kann damit vielleicht denjenigen helfen, die gerade erst erfahren haben, dass sie infiziert sind und die immer noch glauben, dass das Leben damit zu Ende sei.HIV ist heute kein Todesurteil mehr. An wen richtet sich das Buch? Gerschwitz:Nicht vorrangig an Langzeit-Infizierte. Die wissen ja genau, um was es geht. Eher an die, die sich damit befassen wollen oder müssen; die Ängste haben, die ich ihnen nehmen will. Es geht mir um Aufklärung. Hat der Titel „Endlich mal was Positives“ Befremden oder Irritation ausgelöst? Gerschwitz:Er macht stutzig. Und verleitet nach dem ersten Stutzen zu einem interessierten Blick ins Buch. Wie war die bisherige Resonanz auf das Buch? Gerschwitz:Ich hatte kurz vor der Veröffentlichung noch mal überlegt, ob ich das Buch wirklich rausbringen will. Was, wenn die Reaktion negativ ist? Immerhin oute ich mich ja damit als HIV-positiv. Dann aber habe ich mir gedacht: Wurscht! Es ist wichtig, dass dieses Buch erscheint. Tatsächlich ist dann überhaupt nichts Negatives passiert. Was würden Sie sich, in Bezug auf den Umgang mit HIV, wünschen? Gerschwitz:Eine entspanntere Betrachtungsweise, bessere Aufklärung und gesellschaftliche Akzeptanz für eine Krankheit, die sich einfach nicht vom Tisch wischen lässt. Matthias Gerschwitz liest aus seinem Buch „Endlich mal was Positives“ am 23. Februar, 20 Uhr, im Café Courage, Klemens-Horn-Straße 3. Eintritt: 3 Euro (ermäßigt 1,50 Euro).