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01.10.2009 09:54
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Gewaltporno-Video als Vorlage für Martyrium

Ein 21-minütiger Gewaltporno - gefunden von der Kriminalpolizei auf einer DVD des Angeklagten - könnte die unmittelbare Vorlage (oder auch der Auslöser) für das unsägliche Martyrium einer Walder Schülerin (17) gewesen sein. Denn auf dieser DVD ist bis ins Detail vorgegeben, was der vor dem Wuppertaler Landgericht angeklagte Walder (29) im Mai fast identisch in grausame Wirklichkeit umgesetzt hat: Wie ein maskierter Mann einem Schulmädchen in einem Wald auflauert, es unter Gewalt mit einem Seil um den Hals zu seiner Wohnung führt und es dort auf die verschiedensten Weisen fesselt und mehrfach vergewaltigt. Sogar Fessel-Utensilien und komplette Szenen aus dem Video decken sich verblüffend mit dem, was dem tatsächlichen Opfer tagelang in der Wohnung des Peinigers widerfuhr.

Das ist eine Erkenntnis des zweiten Verhandlungstages im Vergewaltigungsprozess vor der Jugendschutzkammer.

Dem gelernten Verkäufer drohen wegen Geiselnahme, Vergewaltigung und Besitz kinderpornografischen Bild- und Filmmaterials bis zu 15 Jahre Haft. Auch eine anschließende Sicherungsverwahrung steht im Raum, sofern man bei dem 29-jährigen Solinger einen pathologischen Hang zu Vergewaltigungen bejahen kann.

Sicherungsgverwahrung: Wie groß ist die Wiederholungsgefahr?

Auch wenn der 29-Jährige am ersten Prozesstag - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - ein fast lückenloses Geständnis abgelegt hat: Der Gewaltporno könnte noch sehr wichtig werden, wenn es um die Bewertung der abartigen Phantasien des Walders und damit um die drohende Sicherungsverwahrung wegen Wiederholungsgefahr geht. Denn das Video gehört zu einer Fülle von Datenträgern, Fotos und Videos, die in seiner Wohnung entdeckt wurden. Über 600 Dateien mit gewaltverherrlichenden oder kinderpornografischen Bildern und Videos fand die Kripo - vermutlich aber nur ein Bruchteil dessen, was im gesamten Datenbestand schlummert. „Über ein Jahr brauche man, um alles zu durchforsten“, schilderte ein Kripobeamter am Mittwoch.

Zuvor hatte mit bewegenden Worten und geplagt von Weinkrämpfen die Mutter (42) der im Mai im Lochbachtal verschleppten Schülerin die seelische Tortur während der Entführung ihrer Tochter geschildert. Ihre Familie und Freunde hätten „rund um die Uhr“ verzweifelt den Schulweg nach Spuren und Hinweisen abgesucht, unaufhörlich Nachbarn und auch Fremde befragt. „Je länger sie verschwunden war, desto weniger Hoffnung hatten wir, sie je lebend wiederzusehen.“ Als die Tochter ihrem Entführer und Vergewaltiger am vierten Tag entkommen konnte und nach Hause kam, hätten alle nur noch geweint. Bis heute habe aber ihre traumatisierte Tochter den Eltern keine Details des Martyriums geschildert.

Mutter und Freund (17) des Opfers skizzierten vor Gericht die weitere Lebensplanung: Dem Vorhaben, dass die 17-Jährige mit ihrem Freund und dem für den 19. November erwarteten Nachwuchs im Elternhaus in Solingen bleibt, sieht man mittlerweile ab. Vorgesehen ist jetzt, dass das Opfer in einem Mutter-und-Kind-Haus in der Nähe der ostwestfälischen Heimat ihres Freundes wohnen wird. hpm