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17.05.2012 08:56
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Gewalt: Mehr Schutz für Busfahrer

Von Dirk Lotze

Beleidigt, bespuckt und geschlagen – die Angriffe auf Fahrer der Solinger Linienbusse nehmen deutlich zu: „Wir müssen ohne Ende aufrüsten“, sagt Alexander Sorgenicht, Prokurist des SWS-Verkehrsbetriebs. Der neueste Schutz für die Fahrer: Eine Schutzscheibe am Einstiegsbereich soll den Durchgriff zum Platz am Steuer erschweren. Ein Prototyp ist bereits in Solingen im Einsatz.

„In diesem Jahr haben wir schon 20 Vorfälle mit verbaler und körperlicher Gewalt“, sagt Sorgenicht. Auslöser seien nicht auszumachen, jede Tageszeit sei Tatzeit. Für einen Fahrer (41) der Linie 683 war es am 7. Februar so weit.

Er habe einen Fahrgast angesprochen, der an der Endhaltestelle Vohwinkel Schwebebahn noch nicht ausgestiegen war, berichtet der 41-Jährige. „Er hat mich sofort angegriffen, mir eine Kopfnuss gegeben. Ich habe gedacht, meine Nase sei gebrochen.“

Die Fahrgäste sehen bei körperlichen Attacken einfach zu

Dieser Übergriff geschah sogar mittags gegen 13 Uhr. Mehr als 20 Fahrgäste hätten bei dem blutigen Angriff einfach zugesehen. „Auch wenn sie alles gesehen haben, gehen sie weg, damit sie keine Lauferei zur Polizei haben“, sagt der attackierte Fahrer, der ungenannt bleiben will.

Heikel für das aus einer großen Platzwunde am Kopf blutende Opfer: Zunächst war kein Rettungswagen angefordert worden. Auch die alarmierte Polizei habe auf sich warten lassen.

„Zwei Funkstreifenwagen haben sofort die Fahndung nach dem Schläger aufgenommen“, sagt dazu Polizeisprecher Detlev Rüter. Das habe Vorrang gehabt und sei der Grund, warum die Beamten erst später zum Tatort gefahren seien. Erst dort habe sich herausgestellt, dass ein Rettungseinsatz nötig war. Die Leitstelle richte sich nach dem, was ihr gemeldet wird, um die Lage zu bewerten.

Ein Tatverdächtiger sei trotzdem inzwischen ermittelt, sagt Rüter. Beschuldigter sei jedenfalls ein Mann aus Dortmund. In der vergangenen Woche wurden dem betroffenen Busfahrer jedenfalls Fotos vorgelegt.

Der 41-Jährige habe sich im Städtischen Klinikum versorgen lassen müssen. Er sei sechs Wochen lang wegen eines verletzten Halswirbels krankgeschrieben gewesen, sagt der SWS-Fahrer.

„Die Folgen sind schlimm. Das geht bis zur Berufsunfähigkeit. Nachdem wir die Ordnungspartnerschaft mit Polizei, Stadt und Schulen eingerichtet haben, hat es zunächst deutlich weniger Übergiffe gegeben“, sagt Sorgenicht. Ein Training mit Schulklassen in Bussen habe geholfen, Brennpunkte an einzelnen Schulen zu entschärfen. „Inzwischen haben wir in mehr als 90 Prozent der Busse Videokameras“, führt Sorgenicht aus. Dennoch stiegen die Fallzahlen wieder an. Befürchtungen von SWS-Fahrern, die Fälle sollten aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden, widerspricht Rüter: „Eine Häufung war für uns im Februar nicht ersichtlich, sonst hätten wird die Tat in Vohwinkel gemeldet, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.“

Zusätzliche Scheiben sollen den Fahrer am Steuer schützen

„Sicherheit ist uns sehr wichtig“, sagt Sorgenicht. Die Abtrennung an der Fahrerkabine der neuesten O-Busse habe der Bus-Hersteller zusammen mit den Stadtwerken entwickelt: „Man kann zwar geschlossene Kabinen bei allen Herstellern serienmäßig bestellen, aber die bisherigen Lösungen haben nicht gut funktioniert.“ Reflexionen von Autolichtern und aus dem Fährgastraum hätten irritiert. Außerdem müsse genügend Platz sein, damit der Fahrer Tickets verkaufen könne.