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07.03.2012 11:01
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Gewässerschau: Wo der Sengbach noch wild wogt

Von Melissa Wienzek

Es dauert keine fünf Minuten, da ist der erste im Matsch versunken. Ein beherztes Zugreifen an den Hosenbund verhindert jedoch Schlimmeres. Hier, genau auf der Stadtgrenze von Solingen und Wermelskirchen, plätschert ein kleines Gewässer: der Sengbach. An seinem Wasserlauf unterhalb von Oberwinkelhausen ist es sumpfig.

Der Sengbach unterliegt der
EU-Wasserrahmenrichtlinie

Jedes Jahr kontrolliert die Untere Wasserbehörde der Stadt gemeinsam mit der Kommission die Wasserläufe der Bäche. 78 Gewässer gibt es im

GEWÄSSERSCHAU

TERMINE Die Gewässerschaukommission wird im März weiter kontrollieren. Eigentümer anliegender Grundstücke, Inhaber von Nutzungs- und Fischereirechten sind eingeladen. 13. März: Bertramsmühler Bach Teil I mit Spielbrucher und Dornsiepener Bach; 20. März: Bertramsmühler Bach Teil II; 27. März: Viehbach.

Stadtgebiet mit einer Länge von rund 212 Kilometern. Den Auftakt der Gewässerschau 2012 machte gestern nun der idyllische Sengbach. „Der Sengbach liegt in der Trinkwasserschutzzone“, erklärt Hans Dorsch von der Unteren Umweltschutzbehörde für Wasser, Abfall und Immissionen der Stadt. „Es werden hier keine Maßnahmen vom Wupperverband durchgeführt, weil der Sengbach ökologisch total in Ordnung ist.“ Sein Bachlauf ist naturbelassen.

Der Sengbach unterliegt der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie hat das Ziel, sämtliche Gewässer in Europa bis zum Jahr 2015 in einen „guten ökologischen Zustand“ zu versetzen. Die EU-Länder müssen „Wasserbewirtschaftungspläne“ aufstellen, in denen der Gewässerzustand und die vorgesehenen Maßnahmen festgeschrieben werden. Zwar habe das Wasser des idyllischen Bächleins keine Trinkwasserqualität, wie sie der Gesetzgeber vorschreibe, aber man könne das kühle Nass gefahrlos trinken.

Von Oberwinkelhausen aus geht es durchs Unterholz, über flauschiges Moos und Sauenpfade durch lästige Dornen bis zur Mündung, der Sengbachtalsperre. Deshalb wird der Sengbach auch „Solinger Trinkwasserbach“ genannt. Für diese zwei, drei Kilometer benötigt die Experten-Truppe zwei Stunden – schließlich muss alles genauestens begutachtet werden.

Hier hat Rudolph Hartkopf wahrscheinlich 1892 das Bergische Heimatlied verfasst: „Wo die Wälder noch rauschen“, das ist hier, zwischen Oberwinkelhausen und der Sengbachtalsperre. Überall entspringen kleine Rinnsale. „Es wird behauptet, hier gebe es Groppen und Bachneunaugen“, erzählt Revierförster Markus Schlösser und es hört sich so an, als sei man mitten in einem Märchen.

Dass die Natur einen eigenen Willen hat, sieht man an den biologischen Relikten der letzten Jahre: Der Sengbach hat sich seinen Weg gebahnt, hat neue Pfade erobert und ausgespült. Der sogenannte Schwemmboden ist aufgelandet worden, erklärt Biologe Thomas Krüger von der Biologischen Station Mittlere Wupper. Marita Klause vom Stadtdienst Natur und Umwelt ist fasziniert von einem kleinen Baum, der im Einzugsgebiet des Sengbachs wächst. „Interessant, dass sich die Buche hier versucht anzusiedeln.“ Auch der Pestwurz, der im Sommer so intensiv-markant wie ein Männerparfüm duftet, breitet sich hier aus.

Was ist das? Ein vor etlichen Jahren angelegter künstlicher Teich in einer typischen bergischen Tiefstelle, der Siefe. Im Entenhäuschen wohnt jedoch schon lange keiner mehr. Aber Frösche laichen hier – im März.

Auch hinter der Talsperre ist der kleine Bach in einem guten Zustand. „Für mich ist der Sengbach mit Abstand das schönste Gewässer in Solingen“, zieht Robert Recker von der Gewässeraufsicht der Stadt sein Fazit. Das Wasser ist so klar, dass man den Bruchstein-Boden sieht. Die Männer hoffen, einen Blick auf eine Forelle erhaschen zu können und schwelgen sofort in Kindheitserinnerungen . . .