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16.06.2010 09:59
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Geldmangel gerade am Schulanfang

Ein ungewöhnlicher Spendenaufruf erwartet am Samstag die Kunden, wenn sie in drei Supermärkten am Grünewald, auf der Friedenstraße und am Ohligser Markt ihre Wochenendgeschäfte erledigen. Die Evangelische Kirche in Solingen startet ihre Aktion „Stifte stiften! Chancen für Schulkinder“. Hintergrund ist die immer mehr zutage tretende Armut bei Schulkindern. Wer spenden möchte, soll entweder für die Schule wichtige Materialien mitbringen (siehe Kasten rechts) oder entsprechende Sachen einkaufen und spenden.

Besonders deutlich tritt die Armut in vielen Familien - die Kirche geht von 2000 bis 3000 betroffenen Kinder zwischen 6 und 15 Jahren in Solingen aus - beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule bzw. beim Übergang zu den weiterführenden Schulen hervor. Kinder kommen dann mit unzureichenden oder fehlenden Schulmaterialien zum Unterricht. Birgit Weise, Schulleiterin an der Grundschule Westersburg und Sprecherin der 22 Solinger Grundschulen, weiß, dass Lehrerinnen und Lehrer ständig damit beschäftigt sind, Fehlendes zu kompensieren: „Gerade zum Schulbeginn ist für Anschaffungen mehr Geld nötig als den Eltern zur Verfügung steht.“

Hier setzt das Kirchenprojekt an. Superintendent Pfarrer Klaus Riesenbeck: „Das Projekt dürfte es eigentlich nicht geben. Theoretisch sollten Kinder aus armen Familien nicht benachteiligt sein. Die Realität sieht aber anders aus.“ Er bezweifelt, dass angesichts der Sparbeschlüsse des Bundes eine baldige Änderung in Sicht ist.

Schulmaterialien erfordern ein Budget von 8000 bis 10 000 Euro

Die Synode der Evangelischen Kirche befasst sich seit 2008 besonders mit der Armut in Solingen. Im November 2009 wurde das Projekt zur Schulmaterialhilfe beschlossen, der erste Schritt erfolgt in den 16 evangelischen Kindertagesstätten für die Familien, deren Kinder in die Schule wechseln. Pressesprecher Thomas Förster: „Wegen unserer begrenzten Ressourcen bleibt das Angebot zunächst auf Kinder aus evangelischen Einrichtungen beschränkt.“

Allerdings gehören 50 Prozent der Kinder in den evangelischen Kitas anderen Konfessionen an. Friederike Stratmann, Geschäftsführerin des beteiligten Diakonischen Werkes, weist auf Unterstützung in den Gemeinden hin: „Ehrenamtliche Mitarbeiter sammeln die Materialien und stellen die Schulstartpakete zusammen.“ Thomas Förster: „Wir gehen von einem jährlichen Budget von 8000 bis 10 000 Euro aus. Die Zahl verringert sich bei entsprechenden Sachspenden.“

Auch der Kiwanis-Club Solingen unterstützt hilfebedürftige Familien. Am Dienstagmittag übergab Kiwanis-Präsident Dominic Scherler 50 ausgestattete Tornister der Firma Scout im Wert von rund 10 000 Euro an die Solinger Tafel. "Wir sind sehr dankbar über diese großzügige Spende", sagte Thomas Niehr, Vorsitzender der Tafel. "Die Anzahl der Familien, die zu uns kommen, wächst." 1129 Essenskarten habe man in diesem Jahr bereits ausgegeben. Tendenz steigend. bro./mw

Den ausführlichen Bericht lesen Sie am Mittwoch in Ihrem Solinger Tageblatt.