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28.07.2010 09:36
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Nach dem Drama in Duisburg: Feste feiern ohne Panik

Von Björn Boch

Die Hinweise mehren sich, dass schon lange vor dem Loveparade-Wochenende in Duisburg wichtige Partner übergangen und Warnungen der Behörden ignoriert wurden. Grund für das ST nachzuhören, wie eine Großveranstaltung in Solingen geplant wird. Im Vorfeld eines solchen Festes müssen viele Szenarien berücksichtigt und noch mehr Menschen gehört werden, bevor es eine Genehmigung gibt. Veranstalter, Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Verkehrsbetriebe erstellen ein möglichst sicheres Konzept.

Unterschied Veranstaltung und Versammlung

Versammlung

Eine Versammlung, beispielsweise eine Demonstration, muss bei der Polizei angemeldet werden. Die überprüft dann, ob der gewünschte Ort zur Verfügung steht und ob die Sicherheit gewährleistet ist. Möglicherweise gibt es dann einschränkende Auflagen oder – in seltenen Fällen – ein Verbot. Denn die Polizei ist bei Versammlungen für das Sicherheitskonzept und die Durchführung verantwortlich.

Veranstaltung

 Hier ist, sofern die Veranstaltung auf einer öffentlichen Fläche stattfindet, die Stadt zuständig. Sie muss eine Sondernutzungserlaubnis ausstellen. Die Polizei berät bei der Gefahrenabwehr und den Verkehrsregelungen. Für die Umsetzung und die Kosten ist dann der Veranstalter verantwortlich. „Wir entscheiden, wie viele Leute wir vor Ort brauchen und wie wir uns den Ordnungsdienst vorstellen“, sagt ein Polizeisprecher. Privat-Veranstaltung Eine Veranstaltung auf privatem Grund braucht noch einmal besondere Genehmigungen: So muss geklärt werden, inwieweit öffentlicher Straßenraum benutzt oder blockiert wird. Besondere Anträge gibt es auch für den Alkoholausschank und das „Aufstellen einer Beschallungsanlage“.

Markus Lütke Lordemann ist sowohl Leiter der Stadtentwicklung als auch stellvertretender Vorsitzender des Initiativkreises Solingen e.V., der das Sommerfest von Echt.Scharf.Solingen veranstaltet. In diesem Jahr findet es vom 13. bis zum 15. August statt. Über 35 000 Besucher schätzte die Polizei am Wochenende des Vorjahres. Der Neumarkt ist glücklicherweise ein sehr offener Platz mit vielen Fluchtmöglichkeiten. Das erleichtert die Vorbereitung. Lütke Lordemann hat dennoch einiges gelernt bei der Organisation.

Monate vorher stehen die konkreten Einsatzpläne fest

„Wichtig ist, direkt nach einer Veranstaltung mit den Planungen für das nächste Jahr zu beginnen.“ So könnten neue Erfahrungen am besten umgesetzt werden. Schon Monate vorher würden dann konkrete Maßnahmen beschlossen, etwa die Zahl der Sicherheits- und Rettungskräfte, sowie deren Standorte festgelegt. Und es gibt immer wieder Neuerungen. „In diesem Jahr werden wir vor der Bühne so genannte Crash-Barrier einsetzen, moderne, umsturzsichere Absperrungen. Mit Plastik- statt Glasbehältern bei den Getränken haben wir voriges Jahr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Lütke Lordemann. Im Übrigen sei die Zusammenarbeit mit den Behörden hervorragend. Und der Initiativkreis setze deren Vorschläge auch eins zu eins um. Schon im eigenen Interesse. Denn der Veranstalter haftet, wenn etwas schiefgeht.

Deshalb hat sich der Initiativkreis zusätzlich versichert, ebenso Frank Decker, Veranstalter des Zöppkesmarkts. Dazu kommt die eigene Absicherung, etwa bei der Einführung des Riesenrads. „Bevor ich so einen neuen Betreiber zulasse, sichere ich mich natürlich ab, indem ich mir Rat hole bei der Feuerwehr und den Stadtwerken“, sagt Decker.

Schwierigkeiten gibt es meist bei der sicheren Verlegung der Elektrokabel. Ansonsten helfen fast 20 Jahre Erfahrung. Und dass er feste Ansprechpartner und die ein oder andere private Nummer hat. Klüngel-Gefahr sieht er darin aber keine: „Bei einer Veranstaltung mit fast 250 000 Besuchern müssen die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Sonst heißt es: ,Lieber Frank Decker, so geht das aber nicht.‘ Egal, wie gut ich die Leute kenne.“ Bei Echt.Scharf.Solingen, dem Zöppkesmarkt, dem Dürpelfest und allen anderen Großveranstaltungen findet vor Beginn zusätzlich immer eine Begehung statt, um letzte mögliche Schwierigkeiten auszuräumen. Kurzfristig auftretende Probleme, gleich ob große oder kleine, gibt es meistens.

Beim Brückenfest 1997 forderte die Feuerwehr einen weiteren Fluchtweg

Nicht immer kann ein Veranstalter allerdings auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In Duisburg gab es für die Organisation einer Veranstaltung in dieser Größenordnung kaum Ansatzpunkte. In Solingen erinnert sich Frank-Michael Fischer, Leiter der Feuerwehr, an die Pläne zum 100. Geburtstag der Müngstener Brücke 1997: „Unter der Brücke an der Wupper gibt es die Besonderheit, dass man dort nicht richtig flüchten kann. Wir haben mit vielen Besuchern gerechnet und auf eine provisorische Brücke über die Wupper bestanden.“ Die Feuerwehr hätte nicht zugelassen, dass die Veranstaltung „in diesem Sack“ stattfindet, wie es Lutz Peters, Sprecher der Stadt, ausdrückt.

Letzte Instanz zur Genehmigung einer öffentlichen Großveranstaltung ist die zuständige Behörde der Stadt, in Solingen also das Ordnungsamt. Der Veranstalter braucht eine Sondernutzungserlaubnis. In den Antrag kommen Auflagen von Feuerwehr, Ordnungsamt, Bauaufsicht und Polizei (siehe Kasten).

Manchmal gibt es dabei Konflikte. Feuerwehr-Chef Fischer erinnert sich an eine Entscheidung, bei der er gleich von drei Dezernenten bedrängt worden sei. „Da ging es hart zur Sache, aber Feuerwehr und Bauaufsicht konnten letztlich durchsetzen, dass es nicht so geht, wie sich die Stadt das vorgestellt hat.“ Den Konflikt nennen mag Fischer nicht. Nur hoffen, dass sich so etwas nicht wiederholt.

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