GROSSEINSATZ Polizei nahm 58-Jährigen fest. Häuser in Aufderhöhe und Attendorn am Freitag durchsucht.
Von Hans-Peter Meurer
Großeinsatz der Polizei gestern Vormittag am östlichsten Zipfel der Aufderhöher Straße: Unter Federführung der Staatsanwaltschaft Siegen und der Abteilung Staatsschutz der Hagener Polizei durchsuchten Polizeikräfte aus Wuppertal, Hagen, Krefeld, Bochum und Siegen sowie Beamte des Sondereinsatzkommandos Düsseldorf erneut eine Doppelhaushälfte in Brücke. Sie hat als Zweitwohnung ein 58-Jähriger angemietet, der gestern unter größten Sicherheitsvorkehrungen zeitgleich an seinem Erstwohnsitz im sauerländischen Attendorn festgenommen wurde.
Nach sorgfältiger Vorbereitung waren gestern parallel die zwei Durchsuchungen vorgenommen worden. In Aufderhöhe wurden dabei erneut Waffen und Munition sichergestellt. So fanden die Ermittler unter anderem eine scharfe 9-mm-Pistole, einen Karabiner mit Munition und eine Signalpistole. Im Keller der Attendorner Wohnung entdeckten die Beamten zudem Chemikalien und Substanzen, die zur Herstellung von Munition geeignet sind.
Aufgrund der bisher erlangten Erkenntnisse sei davon auszugehen, dass der 58-Jährige der Militariaszene zuzuordnen ist, sagte der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim auf ST-Anfrage. Hinweise auf eine Zugehörigkeit zur rechten Szene hätten sich bislang nicht ergeben.
Der 58-Jährige, den Nachbarn als „cholerischen Eigenbrötler“ bezeichnen, ist der Justiz bereits bestens bekannt. 2002 war der ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr wegen Waffenschmuggels an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien festgenommen worden. Vorausgegangen waren damals äußerst personalaufwendige Observierungen des Landes- und Bundeskriminalamts.
Schon in Italien zu 16 Jahren Haft wegen Waffenschmuggels verurteilt
Der Solinger hatte mit einem Italiener aus Aufderhöhe regelmäßig einen Kleintransporter mit alten Möbeln nach Italien gefahren und war mit Südfrüchten nach Solingen zurückgekehrt. Nur: Unterwegs hatte er in der Schweiz jede Menge Kriegswaffen zugeladen. Die Handschellen klickten.
Ein Gericht in Como verurteilte ihn damals zu 16 Jahren Haft. Die konnte er nach einem Rechtsersuchen teilweise in Deutschland absitzen, wo die Strafe auf zunächst 15 Jahre reduziert wurde. Diese saß er teilweise ab. Parallel strengte er erfolgreich ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf auf vorzeitige Entlassung an. Die Reststrafe wurde damals zur Bewährung ausgesetzt.
Doch Anfang Oktober 2010 geriet der 58-Jährige dann erneut mit dem Gesetz in Konflikt. Bei einer Durchsuchung in der Solinger Doppelhaushälfte wurden damals in Anbauten und Spezialtresoren diverse Maschinenpistolen und -gewehre, Trommelrevolver und Pistolen, Handgranaten und sogar der Gefechtskopf einer Panzerfaust gefunden. Der 58-Jährige blieb aber erneut auf freiem Fuß. Die Anklage steht seit Monaten, der Prozess hierzu soll demnächst beginnen.