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12.11.2009 09:49
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Eltern zahlen neun Euro für Kopien

Von Anja Kriskofski

Der Hinweis steht auf der zweiten Seite ganz unten: „Nach sehr genauer Prüfung und Berechnung ist es in den nächsten Monaten unumgänglich, erneut von jedem Schüler einen Beitrag zu den Papier- und Kopierkosten zu erheben.“ Zehn Euro würden Anfang Januar von allen Schülern eingesammelt, teilt die Leitung der August-Dicke-Schule (ADS) in einem Elternbrief mit. Ziemlich viel, findet ein Vater, dessen zwei Söhne die ADS besuchen. Er macht eine einfache Rechnung auf: „Zehn Euro multipliziert mit 1070 Schülern ergibt 10 700 Euro.“ Dafür bekomme man im Internet knapp 1,8 Millionen Blatt Papier. „Verbraucht also jeder Schüler im Schnitt jährlich zirka 1700 Seiten Papier?“

Wer nicht zahlen kann, dem hilft der Schulverein

Was den Mann, der anonym bleiben will, besonders ärgert, ist der Umgang mit dem Thema. „An der August-Dicke-Schule wird einfach vorausgesetzt, dass die Eltern wohlhabender sind als die anderer Schulformen.“ Für ihn als arbeitslosen Vater seien solche Schulkosten jedoch keine Frage der „Portokasse“.

„Wir lassen Eltern, die den Beitrag nicht zahlen können, nicht allein“, widerspricht Martin Burghoff, stellvertretender Leiter der ADS, der Kritik. Sie könnten sich an den Klassenlehrer wenden. „Wir regeln das dann über den Schulverein.“ Burghoff zeigt Verständnis für den Ärger: „Wir hätten es auch lieber anders.“ Man könne jedoch nicht auf den Beitrag zu den Kopierkosten verzichten. „Die Schulkonferenz hat dem Beschluss einstimmig zugestimmt“, erklärt der Schulpflegschaftsvorsitzende der ADS, Rainer Birkendahl. In den zehn Euro sei zudem ein Euro Beitrag für die Landeselternschaft enthalten.

„Wir versuchen zu sparen“, betont Martin Burghoff. „Wir drucken, wenn möglich, zwei Seiten auf ein Blatt Papier und kopieren doppelseitig.“ Die steigende Papierflut habe aber ihre Gründe: Nach der Schulzeitverkürzung fehlten in vielen Fächern aktuelle Bücher. „Viele Arbeitsmaterialien laden die Lehrer deshalb aus dem Internet herunter.“ Zudem hätten sich Lernmethoden geändert.

Das bestätigt auch Marko Voigt, Direktor des Humboldtgymnasiums. „In einer Mathe-Doppelstunde brauche ich heute drei bis fünf Kopien. Das war früher anders.“ Er schätzt, dass an seiner Schule knapp unter zwei Millionen Blatt Papier pro Schuljahr ausgeteilt werden - bei 1250 Schülern. Vergleichbare Zahlen wie an der ADS also. Am Humboldtgymnasium werden fünf Euro für Kopien erbeten. Voigt: „Das deckt nicht die Kosten, aber wir bekommen auch Spenden.“

Doch es gibt auch Schulen, die ohne einen Kopierkosten-Beitrag auskommen, wie etwa das Gymnasium Schwertstraße. „Im Rahmen unseres Budgets konnten wir einen Elternbeitrag vermeiden“, sagt der stellvertretende Schulleiter Matthias Lippert. An der Friedrich-Albert-Lange-Schule hat der Schulverein eine Druckmaschine spendiert. Kopiergeld gebe es nur in Einzelfällen, so Leiter Peter Wirtz. Dafür werden 7,50 Euro für Freiarbeitsmaterialien eingesammelt.