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07.02.2012 09:44
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Eine Stadt bot Salafisten die Stirn

Von Jörn Tüffers

Es ist ein Lehrstück bürgerschaftlicher Courage: Als Mitte 2010 bekannt wird, dass Salafisten am Niederrhein eine „Islamschule“ errichten wollen, gehen

BUNT STATT BRAUN

AKTIONSBÜNDNIS „Bunt statt Braun“ ruft Solinger auf, eine von den Republikanern für Samstag angemeldete Mahnwache und einen Stand zum Thema „Ja zur Religionsfreiheit – nein zum Salafismus“ zu verhindern. Ein Vorbereitungstreffen findet am 8. Februar, 19 Uhr, im SPD-Haus, Birkenweiher 26, statt.

Wilfried Schultz und andere Anwohner des beschaulichen Mönchengladbacher Stadtteils Eicken auf die Straße. Mehrere Monate dauert der Kampf gegen die Gruppierung.

Diese Formulierung ist nicht überzogen: Eine 70-jährige Demonstrantin wird von Salafisten als „Nazi-Hure“ beschimpft; Zeitungen, die kritisch berichten, werden bedroht, Redakteuren in Hasspredigten im Internet der Tod gewünscht. Dann brennt es in einem Haus, in dem sich Salafisten regelmäßig zu Gebeten treffen. In einem Internetvideo werden „Muslimhasser“ dafür verantwortlich gemacht. Die Ermittler finden aber Spuren, die zum Kopf der Mönchengladbacher Salafisten führen, und zu zwei seiner Getreuen.

Mit einem blauen Auge davongekommen

Einmal stürmen mehrere Bärtige nach ihrem Gebet auf 25 Anwohner, die wie jeden Freitag auf dem Marktplatz demonstrieren. Eine Faust trifft Schultz im Gesicht. Er kommt mit einem blauen Auge davon. Wie Mönchengladbach-Eicken auch. Die Salafisten geben ihren Plan von einem Islamzentrum auf. Der Verein „Einladung zum Paradies“ wird aufgelöst.

Für die Verfassungsschützer, die den Salafismus als die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung betrachten, erschwert es die Arbeit. Die Anführer sind noch aktiv, im Untergrund. Die Radikalisierung „findet rasend schnell am Computer statt, nicht in einer Moschee“, sagt ein Verfassungsschützer.

Eines der neuen Zentren des Salafismus ist nun Solingen. Ihr Kopf ist Mohamed M. Er war nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen Terrordrohungen in Österreich vor kurzem von Berlin nach Düsseldorf gezogen und ist offenbar der Vordenker der salafistischen Gemeinde an der Konrad-Adenauer-Straße.

In Solingen steigt die Aufmerksamkeit. Eine ST-Leserin machte gestern auf Plakate aufmerksam, die in größerer Zahl im Umfeld des Hauptbahnhofs geklebt worden sind. Die radikal-islamische Gruppe „Die wahre Religion“ wirbt darauf für ihre Internetseite. In großen goldenen Lettern steht „Lies!“ darauf – „Im Namen deines Herrn, der dich erschaffen hat“. Die Internetseite wird vom Prediger Ibrahim Abu Nagie betrieben. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft Köln im September vergangenen Jahres Anklage wegen Volksverhetzung erhoben.

Moscheevereine gehen auf
Distanz zu den Salafisten

Als Anhänger der Gruppe „Die wahre Religion“ gelten auch die Solinger, die gestern in London verurteilt worden sind. Bei ihrer Einreise nach Großbritannien führten sie Terroranleitungen und islamistische Hetzschriften auf ihren Laptops mit sich.

Andere Moscheevereine waren im vergangenen Jahr auf Distanz zu den Praktiken gegangen, die von der Hinterhof-Moschee an der Konrad-Adenauer-Straße ausgingen. Die hat sich jetzt zwar umbenannt, die Ablehnung aber bleibt. Allerdings ist die Furcht groß. Öffentlich möchte kaum jemand mit seiner Meinung zu den Salafisten zitiert werden.

Die Vorsicht scheint angebracht. Am Wochenende war ein ST-Reporter von zwei Männern angegriffen worden. Bei einem handelt es sich vermutlich um Mohamed M. Als der Journalist an der Konrad-Adenauer-Straße in der Nähe der Moschee fotografierte, waren die beiden Männer handgreiflich geworden und hatten dem Journalisten die Brille abgerissen, die er um seinen Hals gehängt trug. Am Nachmittag desselben Tages hatte es eine Versammlung von Salafisten in Neuss gegeben.