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02.05.2011 19:55
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Zugverkehr erneut eingestellt

Der Skandal um die Müngstener Brücke nimmt kein Ende, auch wenn nach der vergangenen Woche sich kaum jemand eine weitere Steigerung von Pleiten und Pannen hätte ausmalen können. Doch seit Montag gibt es sie wirklich: Der eigentlich seit dem Morgen wieder zugelassene Bahnverkehr über die Brücke – auch wenn zunächst nur mit leeren Personenwaggons möglich – wurde ab 14 Uhr komplett eingestellt.

„Wir haben bei Zugkontrollen auf der Brücke festgestellt, dass die Deutsche Bahn die Dieseltriebwagen der Baureihe 628.4 einsetzt, die zwar gemäß unseres jüngsten Freigabebescheids das maximal erlaubte Gesamtgewicht von 72 Tonnen nicht überschreiten. Doch die ebenfalls in diesem Bescheid festgelegten Werte für die einzelnen Achs-lasten von jeweils maximal zehn Tonnen wurden zum Teil deutlich überschritten“, bestätigte Moritz Huckebrink, Sprecher des Bonner Eisenbahnbundesamtes, gegenüber dem ST. Darum habe die Aufsichtsbehörde sofort untersagt, dass die Brücke mit diesen Triebwagen befahren wird, so Huckebrink.

Besonders pikant: Die Bahn selbst hatte in ihrem Freigabegutachten für die Brücke eine solche Beschränkung der Achslasten von maximal zehn Tonnen beantragt. „Dem hatten wir nach mehrfacher Nachfrage bei der Bahn dann so stattgegeben“, so Huckebrink. Betroffen sind bei diesen Zügen die Achsen 3 und 4 des Motorwagens. Hier liegen die Werte bis zu zwei Tonnen über dem zulässigen Richtwert.

Folge: Seit Montag 14 Uhr ist der Zugverkehr über die Brücke wieder von der Bahn gestoppt. Seitdem pendeln die Züge wie seit November 2010 zwischen Solingen-Hauptbahnhof und Bahnhof Solingen-Mitte sowie zwischen Remscheid-Güldenwerth und Wuppertal-Hauptbahnhof. Für Reisende ändert sich vorerst nichts: Sie müssen sich bis auf Weiteres mit dem Pendelbus als Schienenersatzverkehr zwischen Solingen-Mitte und Güldenwerth behelfen.

Bahn AG: „Leichtere Züge stehen nicht zur Verfügung“

Bahn-Sprecher Udo Kampschulte schloss am Montag auf ST-Anfrage aus, dass die Bahn nunmehr leichtere Züge einsetzen werde. „Leichtere als die der Baureihe 628.4, die seit mehr als 15 Jahren auf der Regionalbahnstrecke 47 eingesetzt wird, gibt es zwar, aber sie sind entweder völlig veraltet oder derzeit nicht verfügbar“, erklärt Kampschulte. Zu der neuerlichen peinlichen Pleite meint der Bahn-Sprecher: „Kein Kommentar!“

Nach ST-Informationen ist man in der DB-Konzernzentrale auf der Suche nach dem Schuldigen in dem Skandal. Personelle Konsequenzen verlangt „zur Not“ auch der Ratsfraktionsvorsitzende der SPD, Ernst Lauterjung: „Das Bergische Städtedreieck muss sich inzwischen vom Bahnvorstand veralbert vorkommen. Die Zusammenarbeit der bergischen Städte mit der Bahn muss auf eine völlig neue und dann auch dauerhaft solide Basis gestellt werden“, fordert er.

„Stümper!“ ist die Meinung von Grünen-Parteichef Reiner Daams. „Ich hatte schon länger den Eindruck, dass die Bahn ihre Züge lieber ohne Passagiere fahren lässt.“ CDU-Schulsprecherin Nicole Molinari wähnt sich im Reich der Fiktion: „Klingt nach einer Geschichte aus Schilda.“ hpm