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27.02.2010 10:21
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Zeuge sagt: Heroin lag in Omas „Pöttchen“

Die Heroinübergabe fand, nach Aussagen eines Zeugen (43), an diesem unauffälligen Ort statt: in einem „Pöttchen“ in Omas Esszimmer-Schrank. Dort soll der Sohn (50) der Seniorin (85) die Droge deponiert haben, damit der 43-Jährige den Stoff abholen und das Geld im „Pöttchen“ zurücklassen kann. „Meistens habe ich ihr aber im Garten geholfen, weil ich kaum Geld hatte“, sagt der Zeuge. Aus seiner Sicht eine Art Freundschaftsdienst, „ich kenne den Sohn seit 30 Jahren“.

Jetzt sitzen Mutter und Sohn auf der Anklagebank im Wuppertaler Landgericht. Mitangeklagt sind der Enkel (25) der Seniorin, dessen Freundin sowie ein Bekannter (beide 29) im Rollstuhl. Die Staatsanwältin wirft ihnen vor, zwischen März 2008 und August 2009 in unterschiedlicher Besetzung Heroin von Holland nach Solingen geschmuggelt und verkauft zu haben. Bis auf die 29-Jährige, die „nur“ wegen Beihilfe angeklagt ist, sollen die vier anderen sich zu einer Bande zusammengetan haben. Es drohen, geht es nach der Staatsanwältin, Haftstrafen bis zu elf Jahren.

Rollstuhl-Fahrer soll mit Drogenimport geprahlt haben

Über die Seniorin sagt der Zeuge: Er habe weder offen mit ihr über das Heroin gesprochen, noch sei sie im Raum gewesen, wenn er es geholt habe. Er will die Merscheiderin stets nur andeutungsweise gefragt haben, ob der Sohn „für mich dagewesen ist“. Sein Fazit: „Ich denke, ihr war das klar.“

Eine weitere Drogen-Quelle für den Zeugen soll der Rollstuhl-Fahrer gewesen sein. Dieser will, so hatte es der Gutachter ausgesagt, zum Mitmachen gezwungen worden sein. „Auf mich wirkte er nicht ängstlich“, sagt dagegen der Zeuge. „Vor meinen Augen hat er Heroin portioniert und mit den Fahrten nach Holland geprahlt.“

Noch immer schweigen die Fünf zu den Vorwürfen. Nur die 29-Jährige gibt die Anklagevorwürfe zu, zur Bande will sie aber nicht gehört haben. Nachdem ihr Vater sie im Teenageralter beim Marihuana-Rauchen erwischt und für vier Wochen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie gebracht habe, will sie dort erstmals Heroin genommen haben. Jetzt ist sie in einem Methadonprogramm und arbeitet wieder. Die junge Frau, die nicht vorbestraft ist, hofft auf eine Bewährungsstrafe. Ihr Verlobter hingegen, der 25-Jährige, teilt über seinen Verteidiger mit: Er habe Heroin genommen, um sein schmerzhaftes Rückenleiden zu lindern. cd