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12.06.2010 10:20
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Zeuge: „Wollte mich plattmachen“

„So, mein Sohn, alles fit?“ Gutgelaunt begrüßt der Vater (50) seinen Sohn (25). Beide sitzen in Untersuchungshaft und sind angeklagt in dem Drogenprozess, in dem auch ihre Mutter bzw. Oma (85) - das Verfahren wurde abgetrennt - traurige Berühmtheit erlangte. Gestern konnten sich beide Merscheider zurücklehnen, der Mann des Tages war der mitangeklagte Rollstuhlfahrer (29).

Dem dürfte der Auftritt des Zeugen (45) nicht gefallen: Sein ehemals bester Freund stellt das, was der 29-Jährige zuvor ausgesagt hatte, quasi auf den Kopf. Der Angeklagte hatte darauf beharrt: Er habe sich 7300 Euro geborgt, die der 45-Jährige urplötzlich zurückverlangt habe; mit der Option, die Schulden als Kurier abarbeiten zu können. Das will der Angeklagte abgelehnt haben, woraufhin zwei kräftige Typen ihn übel bedroht hätten.

Davon will der Zeuge nichts wissen. Sein Standpunkt: „Ich hatte rund 6000 Euro Schulden bei dem Angeklagten.“ Der 29-Jährige habe ihm etwa Geld für die Stromkosten geliehen - und ihn angeblich mit Drogen versorgt. Er wisse nicht, wie der Rollstuhlfahrer an den Stoff gekommen sei. Gerüchteweise will er aber gehört haben, dass der Angeklagte ihn auf dem Kieker habe: „Dass er mich plattmachen will, wenn ich nicht zahle.“ Versuche, Ratenzahlungen mit ihm zu vereinbaren, seien aber gescheitert.

Nachmittags das erste Urteil: gegen die Verlobte des 25-jährigen Angeklagten. Auch ihr Verfahren war abgetrennt worden. Zwei Mal soll sie beim Drogenschmuggel geholfen haben. Ihre Strafe: 20 Monate Haft. Dem Gericht zufolge nahm sie 225 Euro Drogengeld an und brachte dem 25-Jährigen 10 940 Euro für eine Kurierfahrt nach Holland.

Gutachter sieht enge Bindung zu abhängigem Verlobten kritisch

Ein Gutachter erklärt, bislang habe die Solingerin ihre Sucht trotz diverser Versuche nicht in den Griff gekriegt. Kritisch sieht er daher die enge Bindung zu ihrem Verlobten, dessen Vater und der Oma: Laut Anklage sollen sie ins Drogengeschäft und -milieu verwickelt sein. Das Gericht stuft die junge Frau als voll schuldfähig ein. Auf sie kommt wohl bald ein neuer Prozess am Landgericht Kleve zu: Während der Verhandlung in Wuppertal soll sie in einen Heroinschmuggel verwickelt gewesen sein. cd