Die Landtagsabgeordnete und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat einem geharnischten Brief an den Konzern-Chef der Deutschen Bahn AG, Dr. Rüdiger Grube, geschrieben. Darin beklagt sich die Solingerin über die Informationspolitik des Unternehmens und verlangt „sofortige umfassende Aufklärung“ über den Zustand der Müngstener Brücke.
Löhrmann: „Die jüngsten Vorkommnisse um die Brücke sorgen für größten Unmut bei allen Beteiligten wie Politik, Verwaltungen sowie vor allem bei den Reisenden, die sich von der Bahn nicht ausreichend und zeitnah informiert fühlten.“ Außerdem verfestige sich der Eindruck, dass Zusagen der Bahn bezüglich der Sanierung der Brücke und ihres dauerhaften Erhalts nicht eingehalten würden.
Bereits die Reduzierung der Geschwindigkeit der RB 47 auf 10 km/h auf der Brücke habe das Sicherheitsgefühl der Menschen untergraben. Aber es habe zumindest noch die Nutzung dieser für das Städtedreieck überaus wichtigen Verkehrsader erlaubt. Nun sei die Brücke nachts und völlig überraschend für alle komplett gesperrt worden.
„Mit den Märchen zum Zustand der Brücke muss Schluss sein“
Löhrmann verlangt im Namen der bergischen Städte eine umfängliche Auskunft über den Stand der Arbeiten an der Brücke, über ihre Sicherheit und über die zukünftigen Regelungen der Erhaltungsarbeiten, nachdem die Strecke nun an Abellio übergeben wurde. In dem Brief heißt es weiter: „Ein Unternehmen wie die Bahn, das vom Sicherheitsgefühl seiner Kunden lebt, kann sich solche Kommunikationspannen nicht leisten.“
Die Solinger SPD-Landtagsabgeordenten Josef Neumann und Hannelore Preuß-Buchholz gehen noch einen Schritt weiter: Auf besorgte Nachfragen zur Brücke habe es immer beschwichtigende Antworten gegeben. Die unbefristete und vollständige Sperrung durch das Eisenbahn-Bundesamt zeige, dass die Bahn die Wahrheit über den Zustand des Baudenkmals nur scheibchenweise zugegeben habe.
Josef Neumann: „Es ist davon auszugehen, dass der Zustand der Brücke schlimmer ist, als die Bahn zugibt.“ Die Verantwortung liege jetzt bei der Bahn, schnellstmöglich für die Standfestigkeit der Brücke zu sorgen und diese der Aufsichtsbehörde ebenso schnellstmöglich nachzuweisen. „Mit den Märchen muss Schluss sein!“ so die beiden Abgeordneten.
Die Last-Minute-Prüfung Ende September sei eben nicht ausreichend, so wie es die Bahn AG dargestellt habe. „Wer soll der Bahn noch glauben?“, fragen Preuß-Buchholz und Neumann. Es sei an der Zeit, der Politik und der Öffentlichkeit endlich die ganze Wahrheit zu sagen. Mutmaßungen gehörten in das Reich der Sagen, wie die vom Goldenen Niet in der Brücke. Die wolle niemand mehr hören. hpm