Was motiviert einen jungen Unternehmer wie Sie, der bestimmt viel um die Ohren hat, sich für Solingen und soziale Zwecke einzusetzen?
Nicolas Spengler: Ich finde, dass die Forderung an die Unternehmen, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, berechtigt ist. Jeder sollte sich da einbringen - so wie er kann. Die Wirtschaftsjunioren bieten mit ihren
ZUR PERSON
NICOLAS SPENGLER Der 29-jährige Diplom-Kaufmann ist seit 2006 Geschäftsführer der Kissel-Gruppe. Der ehemalige Schwertstraßen-Schüler studierte BWL in Köln. Als jüngster Zöppkesmarktredner hielt er im vergangenen Jahr eine begeisternde Rede. Spengler wurde vorvergangene Woche zum neuen Kreissprecher der Solinger Wirtschaftsjunioren gewählt.
tollen Aktionen eine sehr gute Plattform, um sein ehrenamtliches Engagement zielgerichtet einzubringen. Dies hat mich überzeugt mitzumachen. Durch solches Engagement entsteht ein Netzwerk von gleichgesinnten Unternehmern, die nicht nur etwas für den Standort Solingen bewegen, sondern mir auch helfen, manche Themen einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und anzugehen.
Wie ist ist die Entwicklung bei den Wirtschaftsjunioren - gibt es auch hier wie allerorten Nachwuchsprobleme?
Spengler: Natürlich trifft uns der demographischer Wandel auch. Die Anzahl der Fördermitglieder über 40 ist in den letzten drei Jahren stark gestiegen (Anm. d. Red.: Laut Satzung scheidet man bei den Wirtschaftsjunioren mit Erreichen des 40. Lebensjahrs aus). Aber wir hatten im vergangenen Jahr bei den Mitgliedern einen Zuwachs von über zehn Prozent! Und zwar alles Leute, die auch aktiv in Arbeitskreisen und bei Projekten mitwirken. Die Klage, dass sich junge Leute nicht mehr engagieren, können wir nicht teilen. Aber wir freuen uns natürlich immer über Leute, die Interesse haben, bei uns mitzumachen. Die können sich jederzeit gerne an uns wenden.
Welche Aktions-Schwerpunkte haben sich die Solinger „Wijus“ für 2011 vorgenommen?
Spengler: In jedem Fall wieder die bewährten Projekte. Die erfolgreiche Ausbildungsmesse „Forum:Beruf“ geht in die vierte Auflage. Dann sind wir bei dem Stadtförderungsprogramm „Ab in die Mitte“ mit einem Teilprojekt dabei. Erstmals veranstalten wir am 16. September „Make a Difference Day“, MADD: ein Aktionstag für sozial benachteiligte und behinderte Kinder und ihrer Familien. Da wird es besondere Erlebnisse für diese Zielgruppe geben. Gleichzeitig soll auf die ganz alltäglichen Probleme dieser Menschen aufmerksam gemacht und Vorbehalte abgebaut werden. Noch in der Planung ist eine festliche Charity-Gala aller Service-Clubs in Solingen. Zu einem ersten Gespräch haben wir alle Vertreter der Vereine an einen Tisch geholt. Die erste Resonanz war durchaus positiv.
Was wollen die Wirtschafts-Junioren tun, um vor allem den problematischen Ausbildungsmarkt zu fördern?
Spengler: Ausbildung, Qualifizierung, Weiterbildung ist und bleibt ein Schwerpunkt unserer Arbeit, für welche wir ja gerade mit dem Agenda-Preis der Stadt Solingen ausgezeichnet worden sind. „Forum:Beruf“ ist hier sicherlich wieder unser Hauptprojekt. Daneben gibt es die Aktionen „Hey Boss“, ein Theaterstück als Bewerbungstraining; Wirtschaftsjunioren gehen „An die Tafel“ in die Schulen, um den Jugendlichen zu allen Fragen rund ums Arbeitsleben Rede und Antwort zu stehen.
Die IHK spricht davon, dass der Aufschwung im Städtedreieck angekommen ist. Ist die Krise aus Ihrer Sicht überwunden?
Spengler: Ganz klar: Es geht aufwärts, auch wenn der Aufschwung längst nicht in allen Branchen angekommen ist. Im Verhältnis zum Jahr 2009 blicken wir sehr optimistisch ins kommende Jahr. Aber einige stellen die Frage, wie nachhaltig der Aufschwung ist.
Im jüngsten Städtevergleich der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ haben die Solinger Unternehmer dem Wirtschaftsstandort Solingen ein mieses Zeugnis ausgestellt. Zu Recht?
Spengler: In einer solchen Umfrage überwiegen sicherlich die kritischen Punkte. Die Erhöhung der Gewerbe- und der Grundsteuer, die Streichung der A 3-Anbindung, der Wegfall von ICE-Zugverbindungen, die gesperrte Müngstener Brücke, der Hofgarten ergeben sicherlich kein zufriedenstellendes Bild für die Solinger Wirtschaft. Doch bei Platz 92 von 100 Städten werden die positiven Entwicklungen, wie Piepersberg, Korkenziehertrasse, Forum Produktdesign, Neugestaltung Südpark und des Hauptbahnhofes nicht entsprechend berücksichtigt. Festzuhalten bleibt, dass viele dieser Faktoren sich von der Stadt nicht beeinflussen lassen.
Ist die Wirtschaftsförderung aus Ihrer Sicht optimal aufgestellt, um nach außen und innen positive Effekte für den Wirtschaftsstandort zu bewirken?
Spengler: Wir können da nur sagen: Die Kooperation mit der Wirtschaftsförderung ist sehr gut. Die Geschäftsführer stehen im regelmäßigen Kontakt mit uns, sind auf allen Veranstaltungen vertreten. Die haben wirklich die Hand am Puls der Wirtschaft und sind im Gespräch mit Unternehmen, die sich verändern wollen. Aber die Rahmenbedingungen sind nun mal nicht prickelnd. Wir haben einen höheren Hebesatz als Köln, und mit der Topografie, den schlechten Verkehrsanbindungen sind wir nun mal nicht so attraktiv. Aber umso wichtiger ist, dass die Wirtschaft zum Standort steht. Schließlich ist man nicht zufällig hier, sondern aus Überzeugung. Die Wirtschaftsjunioren wollen dazu beitragen, dass das Gefühl der Verbundenheit mit der Stadt noch stärker gelebt wird.
Solingen ist bemüht, sich in die Metropol-Initiative „Rheinland“ einzubringen. Was bedeutet das Thema für Sie?
Spengler: Bei den Wirtschaftsjunioren gibt es wenige, die nicht schon im Rheinland und darüber hinaus unterwegs sind. Für uns ist das keine Diskussion, sondern längst Realität. Was passiert, wenn wir uns nicht anschließen, konnte man gut auf der Expo Real in München beobachten. Da werden kleine Stände wie der bergische Stand zwischen den beiden riesigen des Ruhrgebiets und des Rheinlands nur schwer wahrgenommen. Aber wir müssen unserer Meinung nach schon aufpassen, dass wir unsere Identität nicht verlieren und auch als eigene Region wahrgenommen werden. Daher bemühen sich die Wirtschaftsjunioren verstärkt darum, die Kontakte zu den beiden Nachbarstädten zu intensivieren. Eine bessere Kooperation im Bergischen steht nicht im Widerspruch zur Rheinland-Initiative, sondern befruchtet sie.