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21.06.2010 10:23
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„Wir kämpfen um das Hallenbad“

„Kommunen nicht totsparen - Vogelsang ist unverzichtbar!“ So oder so ähnlich lauteten die Aufschriften auf den Transparenten der Menschen, die sich am Samstagmorgen vor dem Hallenbad Vogelsang versammelt haben. Viele sind wütend. Nicht nur, weil das Walder Hallenbad für viele von ihnen zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden ist, sondern auch, weil sie sich übergangen fühlen von der Politik. Sie fürchten, dass mit dem Verlust des von der Schließung bedrohten Hallenbades ein Großteil des sozialen Mitein-anders verloren geht.

„Wir kämpfen dafür, dass dieses Hallenbad für eine soziale Gesellschaft erhalten bleibt“, verkündet Arnold Falkowski bei der Kundgebung. Er ist Vorsitzender des Vereins Reha- und Behindertensport Solingen, der zu der Demonstration aufgerufen hat. „Das Bad ist wichtig, um in unserer Stadt den sozialen Frieden zu erhalten!“

Seine Erfahrungen in der Vereinsarbeit bestärken ihn dabei: „Viele beeinträchtigte Menschen würden sich nie trauen, in ein öffentliches Bad zu gehen. Hier können sie in einem geschlossenen Raum Wassergymnastik machen!“

Die Möglichkeiten in dem Hallenbad seien unvergleichlich gut. Es habe drei Schwimmbecken: für Kinder, Nichtschwimmer und Schwimmer. Es sei ebenerdig und einfach mit dem Rad und öffentlichen Bussen erreichbar. Falkowski: „Zudem hat dieses Bad einen großen Vorteil. Es wird durch die Fernwärme der Müllverbrennungsanlage betrieben.“ Ihm sei unverständlich, wie man das ignorieren könne. Viele Freunde des Hallenbades Vogelsang scheinen das ähnlich zu sehen. „Meine Erwartungen wurden fast übertroffen“, freut sich Falkowski. „Ich finde es toll, dass wir heute gemeinsam etwas für sozial Schwache tun!“

Da ist Marta Daly. Sie ist „erzürnt“. Seit 20 Jahren besucht sie mit Schwimmfreundinnen das Hallenbad: „Ich werde 83 Jahre alt und komme immer aus Gräfrath!“ Zwei künstliche Kniegelenke machten es ihr unmöglich, weiter zu fahren. Antonio Lovison sorgt sich als junger Familienvater aus diesem Grund: „Unser Solingen muss doch für Jung und Alt attraktiv bleiben!“ Schließlich gerate man da schnell in einen Teufelskreis. Auch andere Stimmen werden laut. So solle die Stadt vorsichtig sein, denn was man jetzt endgültig zumache, sei für alle Zeit verloren.

Stadt subventioniert das Bad jährlich mit 862 000 Euro

Um 840 000 Euro jährlich, so der Sparvorschlag der Stadt, soll die Schließung den städtischen Haushalt entlasten. Einen Zuschuss von 862 000 Euro zahlt die Stadt nämlich jährlich dafür, dass das Bad nahezu täglich von 7 bis 22 Uhr für den Publikumsverkehr und für Vereine geöffnet hat. 2008 wurden 99 000 Besucher gezählt, im vergangenen Jahr waren es 96 000 (jeweils ohne Vereinsstunden). Diese Besucher brachten 2009 Einnahmen von rund 263 000 Euro in die Kasse der Stadt.

Dem gegenüber standen Personalkosten von 626 000 Euro und Sachkosten von 242 000 Euro. Zusammen mit den kalkulatorischen Kosten für Finanzierung und Zinsen in Höhe von 213 000 Euro wird das Bad zum Zuschussprojekt. Nicht mit in die Rechnung eingeflossen sind dabei die Investitionskosten von 200 000 Euro, die im Januar fällig wurden. Schon 2007 war festgestellt worden, dass Deckenträger des Bades dringend sanierungsbedürftig waren. gika/hpm