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01.07.2009 09:21
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„Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“

„Überzeugend, nachvollziehbar, gut recherchiert“: Das Lob für seinen Vortrag muss Joachim Pütz gefallen haben. Denn der Sprecher der Bürgerinitiative gegen L 405 und B 229n erhielt es von Friedhelm Sträter persönlich. Der kämpft nicht nur als Unternehmer mit Firmensitz in Aufderhöhe, sondern auch als IHK-Präsident für einen besseren Anschluss Solingens an die A3. Wie die Lösung des Stauproblems aussieht, „kann ich Ihnen nicht sagen“, bemerkte Sträter am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion mit den Trassengegnern. Alle Verkehrsexperten gingen aber davon aus, dass die kombinierte L 405/B 229n „die bestmögliche Lösung“ sei.

Was eine verlängerte Viehbachtalstraße (B 229 n) parallel zum Bahndamm bedeuten würde, zeigte Kontrahent Pütz mit Luftbildern und Fotomontagen: Von der Kleingartenanlage zwischen Bussche-Kessel-Weg und Wiefeldicker Straße bis zur Kapelle St. Reinoldi Rupelrath würde eine Schneise geschlagen, der Natur (Schutzgebiet) und einige Häuser zum Opfer fielen.

Mehrere hundert Bewohner jetzt noch relativ ruhig gelegener Siedlungen, darunter auch die des Börkhauser Felds (SBV), hätten einen Zubringer vor der Tür. „Tausende Anwohner der derzeitigen Strecke würden dagegen entlastet“, hielt Friedhelm Sträter dagegen. „Das St.-Florians-Prinzip bringt uns nicht weiter.“ Und - in seiner Funktion als Kammerpräsident: „Artenschutz gehört nicht zu unseren gesetzlich definierten Aufgaben“.

Sträter, der mit IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge und Stabsbereichsleiter Thomas Wängler gekommen war, sieht „letztendlich die Zukunftsfähigkeit Solingens“ gefährdet, wenn die neuen Straßen nicht gebaut werden: „In keiner anderen Großstadt in NRW braucht man länger zur Autobahn.“ In Solingen seien es 19 Minuten bis zur nächsten Anschlussstelle, nur 7 in Wuppertal und 12 in Remscheid.

ARGUMENTE

UMFRAGE

 Zwei Drittel der Solinger Unternehmer sehen laut der jüngsten IHK-Umfrage eine bessere A3-Anbindung als wichtigstes Verkehrsprojekt im Kammerbezirk an.

ABKÜRZUNG Durch eine Zufahrt über die Haus-Gravener-Straße sparen Solinger, die in Richtung Düsseldorf/Oberhausen wollen, eine Strecke von vier Kilometern, sagt die Initiative. Bei 3000 Autos seien das 5,5 Millionen Kilometer pro Jahr.

Die Initiative, die bereits mehr als 1500 Unterschriften gesammelt hat, sieht L 405 und B 229n dagegen als „Verschwendung von Steuergeldern“ und plädiert für schnell machbare Änderungen an der bestehenden Auffahrt (mehr Spuren unter der Brücke, andere Ampelschaltungen) sowie für ei-ne Nutzung der Haus-Gravener-Straße. Wer Straßen wie die L 405 und B 229 n baue, werde Verkehr ernten, warnte Joachim Pütz nicht nur vor einem „Kollaps“ in Landwehr, sondern auch vor einem neuen innerstädtischen Nadelöhr: „Der Stau wird auf den Frankfurter Damm verlagert.“

„Langenfelder Interessen können nicht Solinger Interessen sein“, hat sich die Initiative auf die Fahnen geschrieben. L 405 und B 229 n seien „absolut überflüssig“.

Langenfelder sehen keine Alternative zu L 405/B 229n

„Aus Solinger Sicht würde ich das auch so sehen“, kommentiert Hans-Otto Weber auf ST-Nachfrage. Der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung in Langenfeld lässt aber keinen Zweifel: „Wir wollen die Lösung L 405/B 229.“ Studien für den Verkehrsentwicklungsplan 2008 hätten gezeigt, dass eine Autobahnzufahrt über die Haus-Gravener-Straße „viel mehr Probleme“ mache: Auf der westlichen Seite der A3 werde die Schneiderstraße (sie geht durch ein Gewerbegebiet) so belastet, „dass es den Verkehr zum Erliegen bringen würde“.

Hinter dem Langenfelder Verkehrsentwicklungsplan steht die Ingenieurgesellschaft Stolz (IGS) aus Kaarst. Sie zählt für den Landesbetrieb Straßen auch jetzt, was sich auf den (möglichen) Zufahrten zur A3 tut. Es gehe um vier bis fünf Varianten, heißt es bei IGS - und „rein um die verkehrlichen Aspekte“, also nicht um Umweltschutz, Kosten, Flächenverbrauch und andere Fragen.

Ende August, Anfang September wolle man die Ergebnisse unter anderem in den Stadtverwaltungen vorstellen. Mit einem Planfeststellungsverfahren rechnen die Ingenieure nicht vor 2011. Die L 405 soll bis 2015 gebaut werden; für die B 229n gibt es noch keinen Zeitplan. flm