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08.08.2009 10:17
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Oma (84) gesteht Heroin-Deal

Fahnder der Solinger und Wuppertaler Polizei haben Deutschlands vermutlich älteste Drogen-Dealerin festgenommen: Sie ist 84 Jahre alt - und kommt aus Merscheid. In ihrer Wohnung fand die Polizei neben Waffen wie Elektroschockern und Stichwerkzeugen auch bereits zum Verkauf portioniertes Heroin sowie eine Drogenküche. Die 84-Jährige hat ein Teilgeständnis abgelegt. Die Frau bleibt wegen fehlender Fluchtgefahr auf freiem Fuß.

Mehr noch: Die wortgewandte Seniorin gehört zu einer Bande von sieben weiteren Rauschgift-Dealern, die

Schon 14 Drogentote: Starkes Heroin?

Alarmierend: Schon 14 Menschen sind 2009 im bergischen Städtedreieck (einer in Solingen) an einer Überdosis Heroin gestorben, davon zehn in den vergangenen acht Wochen. „Wir haben Erkenntnisse, dass der Wirkstoffgehalt der Droge oft überaus hoch ist“, warnt Polizeisprecher Ralf Dargel die Heroin-Abhängigen. hpm

ebenfalls festgenommen wurden. Kopf dieses Drogenrings soll der Sohn (48) der 84-Jährigen sein: Der Frührentner, der wie die Drogen-Oma rund 1000 Euro Rente bezieht - habe über Jahre hinweg mit seinem Sohn (25) und seiner Mutter einen „gut gehenden Familienbetrieb“ aufgebaut, sagte gestern ein Kripobeamter voller Ironie.

Vater und Sohn - beide selbst drogenabhängig - sind bereits einschlägig justizbekannt. Der Sohn steht unter Bewährung. Beide sitzen jetzt in Untersuchungshaft. Straferwartung bei Verurteilung: fünf bis 15 Jahre Gefängnis.

Der entscheidende Tipp kam Ende Januar aus der Drogen-Szene: Nachdem sich der Anfangsverdacht gegen die deutsche Familie samt Oma erhärtet hatte, wurde bezeichnenderweise eine Ermittlungskommission unter dem Decknamen „EK Rente“ eingesetzt. Tagelange Observierungen von Personen und Wohnungen folgten. Schließlich ordnete ein Richter die Überwachung von Handys und Festnetztelefonen an.

Am vergangenen Dienstag schlug dann die „EK Rente“ zu. Die Drogenfahnder hatten zuvor mitbekommen, dass - wie allwöchentlich in den letzten Monaten - erneut ein Drogeneinkauf in den Niederlanden anstand. Über 60 Kriminalbeamte aus Holland und Wuppertal begleiteten unerkannt die Kurierfahrt im Rahmen einer „kontrollierten Drogen-Einfuhr“, wie es in der Polizeisprache heißt.

Die lief so ab: Der 25-Jährige fuhr morgens mit dem Zug nach Rotterdam und kaufte dort 100 Gramm sehr reines Heroin ein. Damit machte er sich per Zug auf den Weg nach Roermond. Hier übergab der Enkel das Rauschgift auf dem Parkplatz eines großen Outlet-Centers an einen Drogenkurier (28). Auch der ist Solinger - und an einen Rollstuhl gefesselt.

Während der 25-Jährige mit einer Taxe die Grenze passierte, wurde der 28-Jährige im als Behinderten-Fahrzeug gekennzeichneten Kombi von seiner Freundin (28) gefahren. Kurz vor Solingen an der Langenfelder A 3-Abfahrt griffen die Fahnder zu.

Spezialeinsatzkommandos stürmten zeitgleich Wohnungen

Düsseldorfer Spezialeinsatzkommandos stürmten dann zeitgleich die Wohnungen der Drei-Generationen-Familie, darunter auch in einer ruhigen Hofschaft am Rand des Lochbachtals die stark gesicherten und videoüberwachten Räume des 48-jährigen Hauptverdächtigen.

Bei den Durchsuchungen wurden 2,7 Kilo Heroin und weitere Drogen wie Kokain, Amphetamine, Haschisch sowie Deal-Geld sichergestellt. Zudem entdeckten die Ermittler ein Waffenarsenal.

Haftbefehle gegen den behinderten Drogenkurier (28) und dessen Freundin wurden außer Vollzug gesetzt.

„Die Familie muss halb Solingen mit Heroin versorgt haben“, vermuten inzwischen Drogenfahnder. Mit dem Erlös hätten sie zurückgezogen ein „gutbürgerliches Leben“ bestritten - aber ohne Luxusautos oder große Reisen. Und die rüstige 84-Jährige habe bei der Festnahme lächelnd als Motiv genannt: „Nun, Blut ist eben dicker als Wasser.“ hpm