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30.09.2011 10:41
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Turmhotel: „Diese Sprengung ist kein Risiko“

Von Wolfgang P. Getta

„Ich gebe der Stadt Solingen die 100-prozentige Garantie, dass bei der Sprengung des Turmzentrum-Hochhauses an den umliegenden

ZUR PERSON

WERDEGANG Helmut Roller wurde in Düsseldorf geboren, wuchs aber in Pforzheim auf, wo er auch sein Abitur baute. In Duisburg studierte er Hüttentechnik und schloss mit dem Titel Dipl.-Ing. ab.

BERUFSFINDUNG Ende der 1950er Jahre eignete sich Der Hüttentechniker das Wissen über Sprengungen an: Sie wurden in einem Düsseldorfer Abbruchunternehmen eingesetzt, um aus Hochofenschlacke Material für den Straßenbau zu gewinnen. Als technischer Leiter dieser Firma plante Roller 1964 Abbruch-Sprengungen und machte sich 1. Januar 1968 in diesem Metier selbstständig.

REKORD Sprengtechnik Roller ging ins Guiness-Buch der Rekorde ein, als sie in Hamm-Uentrop den 180 m hohen Kühlturm des abgeschalteten Hochtemperatur-Reaktors (HTR) umlegte. Roller: „Einen höheren Kühlturm wird es nie geben.“

Gebäuden keinerlei Schäden entstehen!“ Der Mann, der dies mit mit einem freundlichen Lächeln versichert, weiß, wovon er spricht. Diplom- Ingenieur Helmut Roller (74) ist seit 43 Jahren technischer Leiter der Wuppertaler Firma Roller Sprengtechnik.

Als solcher hat er zigtausend erfolgreiche Sprengungen geplant. In einigen Wochen soll er seine Fertigkeiten einsetzen, um am Neumarkt Platz zu schaffen für das geplante Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Karstadt-Gelände.

„Wir nehmen dem Turm die Beine weg“

Helmut Roller Sprengspezialist

Zweimal bereits hat Roller sein Können in der Klingenstadt unter Beweis gestellt: Am Abend des 8. September 1983 war er verantwortlich für die Sprengung des alten Gebäudes der Deutschen Bank am damaligen Mühlenplatz. Die Detonation um 19.30 Uhr verursachte lediglich ein Loch in einem Schaufenster und leichtes „Puder“ auf der Clemenskirche.

15 Jahre zuvor aber war er exakt an der Stelle tätig, wo er auch in diesem Jahr sprengen wird. Denn kurz nach der Gründung seiner Firma betätigte er am 19. März 1968 um 10.04 Uhr den Zünder, um das Monopol-Kino niederzulegen, das damals dem Turmzentrum weichen musste. Im Schutt fanden sich anschließend acht Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg.

Jetzt ist der Turm selbst fällig. Mit dem Auftrag, das Hochaus zu sprengen, schließt sich für Roller ein Kreis. Den Plan dafür, wie das Unternehmen risikolos zu bewältigen ist, hat der ausgefuchste Spezialist längst im Kopf: „Der Turm ist mit seinen 60 Metern höher als der Platz, auf dem er steht. Umkippen geht nicht. Er muss vor dem Umfallen 20 Meter kürzer werden, also beim Kippen etwas sacken“, erläutert Roller dem ST-Reporter. Beide hatten sich übrigens vor 28 Jahren beim Projekt Deutsche Bank kennen gelernt . . .

Mitten in den Vorbereitungen

Und wie lässt man ein Hochhaus sacken? „Indem man ihm die ,Beine’ wegnimmt!“ Damit gemeint sind Pfeiler und Wände. In sie wird ein Team aus zwei Sprengmeistern und zwei Gehilfen an den Stellen, die Helmut Roller vorher festlegt, 40 mm dicke und 30 bis 250 cm tiefe Löcher bohren. In sie wird der Sprengstoff gestopft, der schon zweimal in Solingen zum Einsatz kam: Ammonsalpeter, eine Teewurst artige Paste, die unter diversen Markennamen hergestellt wird und als besonders handhabungssicher gilt. Verbunden werden die Ladungen mit Zündschnüren.

Wie viele Löcher nötig sind und wie viel Sprengstoff, steht noch nicht fest. „Ich stecke mitten im Sprengplan“, sagt Roller. Wenn der im Detail fertig ist, stellt er ihn der Stadt vor. Der Antrag zur Sprengung muss vier Wochen vor Termin dem Ordnungsamt und der Bezirksregierung vorliegen. Bis zum Jahresende soll der Turm gefallen sein.