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21.06.2011 11:46
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Neumarkt: „Turm wird im Herbst gesprengt“

Von Thomas Kraft

Nach der langen Warterei soll es jetzt ganz schnell gehen mit dem Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Karstadt-Gelände („Hofgarten“): Schon in drei Wochen beginnen die ersten Abrissarbeiten. Gestern Morgen stellten Thomas Binder (Geschäftsführer Sonae Sierra) und Michael L. Flesch (Geschäftsführer MAB Development) im Rathaus Details ihres Fahrplans vor.

Zunächst ist im Turmzentrum Asbest zu entsorgen. Danach macht das Karstadt-Gebäude Bekanntschaft mit der Abrissbirne. Für Herbst kündigt Sonae die Sprengung des Turms an. „Das wird nochmal ein spektakulärer Abschluss“, freut sich Binder. „Spätestens dann merkt jeder, dass es ernst wird.“ Die Trümmer sollen in die bis dahin ausgehobene Baugrube stürzen und danach abtransportiert werden.

Verschwinden muss auch der denkmalgeschützte Hedderich-Pavillon. „Wir bauen ihn für die Einlagerung ab. Wie das geschieht, muss die Stadt klären.“ Den Beginn des Hochbaus planen MAB und Sonae für kommendes Frühjahr. Ende 2013 soll das neue Shopping-Center eröffnen.

Für die beiden Partner ist es die erste Zusammenarbeit. Sonae ist bekannt für das Management von Einkaufs-Centern, MAB spezialisiert sich auf das Asset-Management, also alles rund um die Vermögensverwaltung. Zu 100 Prozent gehört ihnen das Grundstück. Nach schwierigen Verhandlungen mit dem bisherigen Eigentümer HLG (Münster) haben sie den Kaufvertrag in der vergangenen Woche unterschrieben. „Ohne jedwede Rücktrittsrechte“, betont Binder.

Ein Shopping-Center, das sich in Deutschland sehen lassen kann

Auch die Tinte unter dem Finanzierungsvertrag für das 120 Millionen Euro schwere Projekt ist laut Flesch trocken. Partner wird eine deutsche Hypothekenbank. MAB ist zudem Tochter der niederländischen Rabobank.

Die Größe und die Höhe des Einkaufszentrums werden sich gegenüber dem früheren Entwurf nicht verändern, die Fassade und das innere Aussehen samt Mieter-Mix sehr wohl. Entwürfe gebe es derzeit noch nicht, heißt es. Im Juli wollen die Investoren mit der Stadt bei einer Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit Neues zeigen.

„Es wird ein Shopping-Center, das sich mit den anderen in Deutschland messen kann“, verspricht Flesch hochwertiges Material und ein Design, das auf den Standort abgestimmt ist. Binder: „Die Kunden sollen das Gefühl haben, in ein zweites Wohnzimmer zu kommen.“

Zum „erstklassigen Angebot“ soll im Untergeschoss (Turmpassage) ein großer Lebensmittelmarkt (2500 bis 3000 m²) der gehobenen Kategorie gehören. Von einem Vollsortimenter mit großem Angebot an Frischeprodukten ist die Rede. Zudem setzt das Center auf Erlebnis-Gastronomie („Food Court“).

Als Mieter haben Binder und Flesch vor allem Filialisten im Sinn, die das Angebot in der Innenstadt ergänzen. „Das sind solche, die Sie auch in Köln finden“, sagt Flesch. So soll Kaufkraft zurückfließen, die in den vergangenen Jahren verloren ging. Das Ziel sei nicht, Geschäfte aus der Fußgängerzone oder aus den Clemens-Galerien in das neue Einkaufszentrum zu ziehen.

Lange Schlange an
hochwertigen Mietinteressenten

Die Vorverträge von HLG übernehmen MAB und Sonae nach eigenen Angaben nicht. Etwa ein Drittel der Mieter entfalle im Idealfall auf Inhaber-geführte Geschäfte aus der Region, sagen die Partner. Die Schlange der Interessenten ist lang. „Von den bisherigen sind die meisten noch dabei. Und dazu haben wir einige neue gefunden.“ Unter HLG waren C&A und Thalia für das Center geplant. Auch Saturn war im Gespräch. „Man muss sehen, ob einzelne Anbieter einen zweiten Standort in Solingen wollen oder woanders rausgehen“, sagt Binder. Für 18 000 m² Einzelhandelsfläche werden 80 bis 90 Mieter gesucht.

Die Bezeichnung „Hofgarten“ wollen die Investoren einmotten. Sie erscheint abgenutzt. Ob sie einen Ideenwettbewerb starten, um den idealen Namen zu finden, bleibt vorerst unbeantwortet.

Klar ist, dass MAB/Sonae den Umbau der Kreuzung Weyersberger Straße/Friedrichstraße übernehmen. Der Knoten ist wichtig für die Zufahrt zum Center. Die Wahl zwischen Ampel und Kreisverkehr ist noch nicht getroffen. Auch eine Lösung für den Knoten Dickenbusch muss jetzt her. » Guten Morgen