Nur noch 25 Tage, dann wird das ehemalige Turm-Hotel gesprengt. Was für die einen schweißtreibende Präzisionsarbeit ist, ist für die anderen ein „sehenswertes Happening“, wie es beispielsweise Jan-Markus Liefer (22) nennt. Der Student hat sich bereits am Dienstagabend mit Freunden in der Solinger Innenstadt für den 18. Dezember verabredet: „Zum Spreng-Brunch mit anschließender Live-Spreng-Show am Weyersberg.“
Aber es gibt auch diejenigen Solinger, die „ein mulmiges Gefühl haben“, wie es Karla Schneider (49) ausdrückt. Sie wohnt seit 35 Jahren einen Steinwurf vom ehemaligen Karstadt-Areal entfernt. „Wir müssen uns darauf einstellen, mit unseren drei Kindern am 4. Advent bereits gegen 11 Uhr unsere Wohnung zu verlassen. Die Kinder wollen die Sprengung sehen. Mein Mann und ich wollen lieber auf einen Weihnachtsmarkt gehen und überhaupt nicht in Solingen sein.“
Evakuierung: Seniorenzentrum Friedrichshof teilweise betroffen
Fest steht: Das Gelände um das Turmhotel wird in einem Umkreis von 150 Metern zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Explosion abgesperrt. Alle Bewohner darin – es sind mehr als 500 – müssen vorsorglich ausquartiert werden. „Ich bleibe in meinem Haus, das habe ich auch schon bei der Sprengung des Monopol-Kinos 1968 getan. Ich habe Vertrauen in den Sprengmeister“, sagt aber beispielsweise ein Anwohner der Weyersberger Straße, der ungenannt bleiben will.
Der Friedrichshof ist nicht komplett von der Evakuierung betroffen. „Aber die Cafeteria mit ihrem Glasdach darf nicht betreten werden“, sagt Sprengmeister Helmut Roller. Auch der Teilbereich der Tagespflege müsse für einige Stunden geschlossen bleiben. Am kommenden Dienstag werden zudem eigens die Bewohner des Seniorenzentrums über die Sprengung informiert.
Ein Bus fährt zum DRK-Haus an der Burgstraße
Die Bauherren stellen am 18. Dezember einen Bus für ältere oder gehbehinderte Menschen zur Verfügung: „Wir bringen sie zum DRK-Haus Burgstraße, wo sie auch verpflegt werden“, sagt Geowissenschaftler Dr. Kühne.
Mögliche Erschütterungsschäden durch die Spreng-Detonationen schließt Roller ebenso aus wie Schäden durch die aufschlagenden Betonteile des Gebäudes. „Wir haben hochgerechnet: Wir liegen weit unter den vorgeschriebenen Erschütterungsgrenzen.“ Gegen Steinflug werden Matten und Maschendraht am Torso des Turmhotels aufgehängt. Auch Gebäude der Umgebung wie das gläserne Signal-Haus werden mit Matten geschützt.
Die Stadt plant, so erfuhr das ST, am 18. Dezember ein kleines Abbruchfest, voraussichtlich am Weyersberg. Näheres soll in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. 5000 Zuschauer werden bei der Sprengung erwartet. Ihnen wird in sicherer Entfernung ein guter Blick auf das Geschehen ermöglicht: Die besten Sicht-Chancen werden sich am Ufergarten (Kreisverkehr) und auf der Weyersberger Straße bieten. hpm
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