Auch gestern Morgen gab es wieder Probleme mit der Deutschen Bahn AG auf der Müngstener Strecke. So pendelten bis kurz vor 8 Uhr die Züge nicht einmal mehr zwischen dem Solinger Hauptbahnhof und dem Bahn-Halt Solingen-Mitte. Wartende Pendler wurden per Lauftext auf den Displays auf Ersatzzüge vertröstet, die aber nicht fuhren. Stattdessen gab es kleine, kaum erkennbare Plakatanschläge an den Stationen – auch am Bahn-Halt Grünewald – mit dem Hinweis, bereitstehende Taxen nutzen zu können. Nur selten gab es – so ST-Leser – ergänzende Lautsprecherdurchsagen.
Bis 5.30 Uhr pendelten nach ST-Recherchen zwei, später fünf Taxen zwischen den Bahnhöfen, danach im Berufsverkehr zehn. Aber auch die reichten oft nicht aus. Viele Pendler fuhren mit dem O-Bus nach Ohligs oder zum Bahnhof Mitte, um noch einigermaßen rechtzeitig an ihren Arbeitsstellen zu sein.
So auch ST-Leser Klaus Güsgen, der „richtig sauer“ war. Denn er hatte bei der DB-Auskunft in Münster angerufen. Dort sei jedoch bestritten worden, dass es einen Taxi-Pendelverkehr gebe. Klaus Güsgen: „Die Dreistigkeit, mit der die DB ihre Fahrgäste um die bereits im Voraus bezahlte Leistung prellt, ist nicht zu überbieten.“
Als Grund für den Komplettausfall der Züge am frühen Dienstagmorgen nannte Bahnsprecher Udo Kampschulte „personelle Probleme“. Daran sei die Einstellung des Zugverkehrs über die Müngstener Brücke am Montagnachmittag schuld gewesen. Das Eisenbahnbundesamt hatte nach Kontrollen auch die Leerfahrten der Triebwagen über die Müngstener Brücke untersagt. Kampschulte: „Wir bitten um Verständnis, aber wir wurden davon selbst überrascht und konnten trotz aller Bemühungen die Dienstpläne der Lokomotivführer so schnell nicht umstellen.“
Daher wurde noch in der Nacht zum Dienstag die Taxi-Zentrale Solingen vom Busverkehr Rheinland (BVR), einer Tochter der Deutschen Bahn AG, beauftragt, die Taxen im Pendelverkehr zur Verfügung zu stellen. Ab 8.30 Uhr gab es dann keine Ausfälle mehr. Kampschulte geht davon aus, dass auch am heutigen Mittwoch die Pendelzüge normal rollen werden.
Sylvia Löhrmann schreibt Brandbrief an DB-Vorstand Grube
Einen Brandbrief an den DB-Vorstand Dr. Rüdiger Grube hat die Solinger Grünen-Landtagsabgeordnete, Schulministerin Sylvia Löhrmann, geschickt. Darin verlangt sie für das Problem der Freigabe der Müngstener Brücke eine „zeitnahe, belastbare und nachhaltige Lösung“. Das Agieren der Bahn AG mit der „unerklärlichen“ Pannen-Serie sei der Öffentlichkeit nicht mehr zu vermitteln, schreibt sie und prangert an, dass alle statischen Prüfungen von einem Zuggewicht ausgegangen sind, das die eingesetzte Regionalbahn überschreitet. Dass trotzdem so verfahren worden sei, dass die Passagiere wieder auf den Schienenersatzverkehr umsteigen mussten, der Zug selber jedoch ohne Passagiere die Brücke passierte, werfe die Frage auf, ob das Leben des Lokführers tatsächlich in allen Momenten seiner dienstlichen Tätigkeit in gebotener Weise gesichert war. hpm
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