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01.04.2010 09:46
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Streit um die Müngstener Brücke

Wie gravierend sind die Schäden im Stahl der Müngstener Brücke? Und wie viele Millionen müssen ins Bauwerk investiert werden, um es für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen? Während die Bahn angesichts aktueller Schäden (ST berichtete) auf laufende Untersuchungen verweist und im Herbst Klarheit schaffen will, wächst in Solingen und der Region die Sorge um das 113 Jahre alte Bauwerk.

Zumal die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen: Laut Bahn müssen jährlich bis zu 400 000 Euro allein in die Instandhaltung der unter Denkmalschutz stehenden Brücke investiert werden. Um das Bauwerk komplett mit Korrosionsschutz zu versehen, seien bis zu 30 Millionen Euro notwendig, erklärte ein Sprecher der Bahn-Tochter DB Netz kürzlich im Solinger Stadtplanungs-Ausschuss. In diesem Zusammenhang sprach er von einer Arbeits- und Sperrdauer von bis zu drei Jahren - was weder zeitlich noch finanziell zu realisieren sei.

Das Hauptproblem liegt derzeit in den beschädigten Loslagern der Brücke: Sie müssten eigentlich beweglich sein und so die Belastung durch das Gewicht der Eisenbahnzüge ausgleichen.

Bahn hält das 113 Jahre alte Bauwerk für standsicher

Dass die Lager ihre Funktion nicht mehr erfüllen, zog Einschränkungen nach sich: Während der Personenverkehr in Form der RB 47 die Brücke weiterhin nutzen kann, muss die Belastung durch Güter- und Sonderzüge - letztere insbesondere beim Brückenfest - einzeln überprüft werden. Die Bahn betont nach wie vor, dass das Stahlbauwerk standsicher sei, aber dennoch grundlegend auf seine Statik hin überprüft werden müsse.

„Wir beobachten die Müngstener Brücke mit größter Sorge“, sagt Hans Joachim de Bruyn-Ouboter, Vorsitzender des Bergischen Rings, auf ST-Nachfrage. Abgesehen davon, dass die Stahlbrücke ihren letzten grundlegenden Schutz-Anstrich vor gut 50 Jahren erhalten habe, gebe es nach wie vor keinen Brücken-Pflegeplan - wie bei anderen Bauwerken dieser Art. Eine Millionen-Sanierung aufzuschieben, könne auf einen Verlust oder die Sperrung der Brücke hinauslaufen. „Das wäre nicht nur schlimm für den Brückenpark.“ Die Bahn stehe als Eigentümerin in der Pflicht - auch angesichts leerer öffentlicher Kassen. Auch der Bergische Geschichtsverein sieht die Entwicklung der Brücke mit großem Unbehagen.

Längst mischen auch Politiker mit. Sylvia Löhrmann etwa, Solinger Abgeordnete und Fraktionschefin der Grünen im Landtag, greift die NRW-Regierung scharf an: „Das Land zieht sich vollständig aus der Verantwortung.“ Dabei sieht Löhrmann Düsseldorf in der Pflicht und fordert mehr Einsatz für das „Wahrzeichen der Region“. Doch ihrem Vorschlag, einen Bericht der Bahn zur Verkehrssicherheit der Brücke anzufordern und den Städten zu überlassen, folgt das Ministerium nicht. Das hält Löhrmann angesichts der Bedeutung der Brücke für Personenverkehr und Tourismus für „sehr problematisch“. Zuversicht zeigt dagegen der Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU): Die Bahn arbeite „mit Hochdruck“ an der Erneuerung der Lager und sage zu, die Brücke „Stück für Stück“ mit einem neuen Anstrich zu konservieren, meldete er zu Wochenbeginn. Aber auch Hardt verweist auf die neu zu berechnende Statik. mel