Mit zehn Millionen Euro schlägt das Symphonieorchester Wuppertal jährlich in der Nachbarstadt zu Buche. Das in heilloser Finanznot sitzende Wuppertal will hier sparen. Hinter den Rathaus-Kulissen laufen Planspiele: Das Wuppertaler Orchester und die Bergischen Symphoniker werden aufgelöst, ein neues gemeinsames Orchester wird gegründet. Von den 170 Musikern würden noch 120 benötigt. Einspareffekt für Wuppertal: rund drei Millionen Euro im Jahr. Konkretes aber gibt es nicht.
Eine Auflösung der Bergischen Symphoniker kostet 20 Millionen Euro
In Solingen sieht man das gelassen. „Unsere Meinung hat sich nicht geändert“, bekräftigt CDU-Fraktionschef Bernd Krebs das Bekenntnis seiner Partei zum Bestandsschutz der Bergischen Symphoniker. Ein Zusammengehen mit Wuppertal haue auf absehbare Zeit nicht hin. „Wie soll das vorstellbar sein?“, fragt SPD-Kollege Ernst Lauterjung und verweist nur auf die komplizierte Vertragslage. Lauterjung sieht keine großen Einsparpotenziale.
Dass sich so etwas für Solingen nicht rechne, meint auch Martina Zsack-Möllmann, Fraktionssprecherin der Grünen. „Ich habe da mehr den Eindruck, Wuppertal will seinen Haushalt auf unsere Kosten entlasten.“ Solange keine Zahlen auf dem Tisch lägen, sei das eine Diskussion im luftleeren Raum, so FDP-Fraktionschefin Gabriele Reimers. „Ob man hier einsparen kann, ist fraglich.“
Viele Fragezeichen sieht auch Stefan Schreiner, Geschäftsführer der Bergischen Symphoniker. Allein die Frage der bisher unterschiedlichen Besoldung sei zu regeln. Bei einer „sanften“ Fusion, wie sie die Orchester der Städte Solingen und Remscheid vor fast 15 Jahren gemacht haben, wäre die Frage zu klären, wie man von einer Personalstärke von 170 auf 120 herunterkäme. Altersteilzeit? Abfindungen? Das wäre ein langer Prozess. Obwohl die Bergischen bereits unter der Soll-Stärke liegen, geht der letzte „Überhang-Musiker“ erst 2026.
„Würde man die Bergischen Symphoniker auflösen, würde das etwa 20 Millionen Euro an Abfindungen kosten“, erläutert Schreiner. Bei einer Auflösung beider Orchester und einer anschließenden Neugründung schätzt der Geschäftsführer diese Summe weit höher ein. Voraussetzung: Die unkündbaren Mitarbeiter machen mit. Ansonsten müssen sie anderweitig im öffentlichen Dienst beschäftigt werden.
Zudem sei völlig unklar, was ein solches Orchester in den drei Städten leisten soll und kann. Ganz abgesehen von möglichen zwischenmenschlichen Problemen: Die Bergischen und die Wuppertaler haben bisher nie zusammen gespielt. Schreiner sieht eher eine Zusammenarbeit der Orchester als realistisch an. Ein Kooperationsvertrag liegt unterschriftsbereit in der Schublade. Er sieht vor, dass die Orchester sich gegenseitig aushelfen. „Damit könnte man die Kosten für die Aushilfsmusiker einsparen.“