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09.04.2010 08:56
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Müngstener Brücke: „Standsicherheit nicht bewiesen“

Das Eisenbahnbundesamt in Bonn (EBA) hat gravierende Beschränkungen für die Nutzung der Müngstener Brücke, der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands, erlassen. Nur noch mit zehn Stundenkilometern dürfen die leichten Personentriebwagen die 113 Jahre Stahlkonstruktion, die die Städte Solingen und Remscheid verbindet, passieren. Eine Begegnung zweier Züge auf der Brücke ist ab sofort verboten.

Beschränkungen für den Güterverkehr hatte es schon im Herbst letzten Jahres gegeben, waren dann aber überraschend wieder aufgehoben worden. Seit Mitte März wurden diese wieder in Kraft gesetzt. Der Güterverkehr erfolgt seither über einen fast 45 Kilometer weiten Umweg über Wuppertal-Oberbarmen nach Remscheid. Außerdem dürfen alle Züge, die die Brücke passieren, nicht schwerer sein als die leichten Personentriebwagen der Baureihe 628.

Schwingungen werden nicht mehr aufgefangen: Loslager hängen fest

Grund für die weitere Einschränkung des Zugverkehrs auf der Regionalbahnlinie 47 ist vor allem der Zustand der Loslager der Brücke, wie Dr. Jens Böhlke, Leiter des zuständigen Abteilung Infrastruktur beim EBA, erklärt. Sie gibt es auf der Solinger und auf der Remscheider Seite der Brücke. In der Mitte gibt es zudem ein Festlager. Ein Loslager lässt Bewegungen in zwei Richtungen zu. Sie sind unter anderem dafür zuständig, beim Betrieb der Brücke auftretende Schwingungen sowie Wärmeausdehnungen bei Temperaturschwankungen in Längsrichtung aufzunehmen. Auch werden beim Überfahren der Brücke starke horizontale Kräfte frei, die durch die Loslager und deren Stahlrollen ausgeglichen werden. Inzwischen hängen aber mehrere dieser Loslager auf beiden Wupperseiten fest. Nicht so gravierend seien hingegen die Korrosionsschäden der Stahlkonstruktion, sagt Dr. Böhlke.

Damit werden Fragen nach der Standsicherheit der unter Denkmalschutz stehenden Brücke laut. Die Deutsche Bahn AG als Eigentümerin der Brücke sieht die Standfestigkeit auch nach den neuerlichen Auflagen des Eisenbahnbundesamtes nicht gefährdet, wie Bahn-Sprecher Gerd Felser erklärt.

Eisenbahnbundesamt verlangt Beweis für Standsicherheit

Anders sieht das Dr. Jens Böhlke. „Es gibt derzeit keinen stimmigen Standsicherheitsnachweis der Brücke.“ Daher seien auch die recht einschneidenden Auflagen und Beschränkungen erfolgt, die fast schon einem „enteignungsgleichen Eingriff“ gleichkämen. Es sei nunmehr Aufgabe der Deutschen Bahn AG als Eigentümerin und für die Brücke Verantwortliche, die Standsicherheit und Befahrbarkeit sicherzustellen und sie auch als denkmalgeschütztes Bauwerk zu erhalten, sagt Dr. Böhlke. Von der Gefahr einer bevorstehenden Stilllegung der Brücke will er jedoch „noch nichts“ wissen.

Die Entscheidung der Bonner Aufsichtsbehörde kommt umso überraschender, als Solingens und Remscheids Verwaltungsspitzen noch vor einer Woche von hochrangigen Bahnvertretern versichert worden war, die Brücke sei standsicher, und der Verkehr könne wie gewohnt rollen. Bis zum Frühherbst muss die Bahn AG nun ein statisches Gesamtgutachten der Müngstener Brücke beibringen. Das Unternehmen, das jährlich rund 400 000 Euro in den Unterhalt der Brücke steckt, will nun die Loslager austauschen lassen. Gerd Felser: „Wir suchen derzeit in der Industrie nach Herstellern.“ hpm