Es hatte etwas von einem „Ätsch“ in Richtung Solingen: Bei der Bilanzpressekonferenz der Silag Handel AG überreichte Vorstandsvorsitzender Siegfried Lapawa gestern symbolisch einen 3,4-Millionen-Euro-Scheck an Langenfelds Bürgermeister Magnus Staehler. Die Summe entspricht der Gewerbesteuer, die Silag im letzten Jahr zahlte - und die in ähnlicher Höhe auch in Solingen geflossen sein soll, bevor die AG sich vor zwei Jahren nach Langenfeld verabschiedete.
Ein Grund für die Verlagerung an die Liebigstraße in Langenfeld war die Nähe zur Autobahn - was Bürgermeister Staehler noch einmal zu einem drastischen Kommentar nutzte. „Die Verweigerungshaltung der Politik wird noch viele Unternehmen aus Solingen nach Langenfeld treiben“, prophezeite der Verwaltungsfachmann, der im Oktober aus seinem Amt ausscheidet und möglicherweise in die freie Wirtschaft wechselt. Von Sylvia Löhrmann (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag) vorgeführt, ließen die Solinger Politiker ihre Stadt „gnadenlos im Verkehrschaos untergehen“.
Staehler: „Die Dreistigkeit der Solinger Politik besteht darin zu behaupten, das wäre kein Solinger, sondern ein Langenfelder Problem. Hier wird ganz klar ein Signal gesetzt: Wir Politiker wollen das Problem nicht lösen.“ Was gemeint ist, das kennen nicht nur die Pendler nach Düsseldorf und Köln. Wegen der morgendlichen Staus an der A3-Auffahrt Hardt hätten Speditionen Zuschläge gefordert, als Silag noch den Sitz in Aufderhöhe hatte, berichtete Siegfried Lapawa.
Dass Magnus Staehler alle Solinger Politiker über einen Kamm schert, ärgert seinen Parteikollegen Bernd Krebs. Der Fraktionsvorsitzende der Solinger Christdemokraten betont: „Wir wollen diese Anbindung. Die CDU ist immer dafür gewesen.“ Ein Jahrzehnt lang sei eine neue Zufahrt zur A3 „von Rot-Grün“ verschlafen worden. Die CDU ist für die „Bündelung der Verkehrsströme“ entlang der Bahnlinie. Krebs: „Wir nehmen zur Kenntnis, dass eine Anbindung über die Haus-Gravener-Straße nicht geht“ (Staehler: „mit mir nicht zu machen“). Die von Staehler angebotene Vorfinanzierung der B 229n durch Langenfeld und den Kreis Mettmann hält der Fraktionsvorsitzende für eine gute Idee.
Gutachten des Landesbetriebs: Erste Ergebnisse Ende September?
Staehlers starke Worte findet Friederike Sinowenka nicht hilfreich. „So kann man mit uns nicht umgehen“, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der Solinger SPD. „Wir müssen das im Konsens schaffen und auch mit den Anliegern diskutieren. Entscheidend sind die Kosten. Auch eine Vorfinanzierung muss man irgendwann bezahlen.“
Politiker und Verwaltung warten auf ein Gutachten des Landesbetriebs Straßen. „Wir brauchen aktuelle Zahlen“, unterstreicht der 1. Beigeordnete Hartmut Hoferichter. „Die ersten Ergebnisse sollen Ende September vorliegen.“ Danach würden sich Vertreter Solingens, Langenfelds und des Landesbetriebs an einen Tisch setzen.