Snippets
Snippets
18.02.2010 09:17
Drucken Vorlesen Senden
Stadt ins rechte Licht gerückt

Von Thomas Kraft

Für Solingen sieht es finster aus. Mehr als eine halbe Milliarde Euro an Altschulden hat die Stadt zu verzinsen und abzutragen. Hinzu summieren sich jährlich hohe zweistellige Millionenbeträge an Neuschulden. Da bleibt kein Geld für Schönheitspflege. Folglich fährt die Stadt inzwischen auch ihre Beleuchtung rigoros herunter.

ENERGIEKOSTEN

2007 Der städtische Energiebericht wies 1,55 Millionen Euro Kosten für Strom aus. Die Sammelposition erfasst alle Ausgaben, auch für Computer und Bäder.
Vergleich Eine Straßenlaterne im Sparbetrieb mit 35- Watt-Birne kostet laut Stadt bei 4000 Stunden Brenndauer etwa 35 Euro im Jahr.

Anfang 2009 begann die Verwaltung sogar, teilweise ihre Straßenlaternen abzuschalten. Effekt: Die Kosten sanken pro Jahr um 200 000 Euro - und aus der Bevölkerung hagelte es Proteste, weil die einen durch die neue Düsternis ihre Sicherheit und die anderen den Schulweg ihrer Kinder gefährdet sahen.

Gründer, die bis in die Nacht arbeiten, benötigen Licht

Angesichts der beherzten Debatte fragt sich ST-Leser Thomas Kronenberg, warum er das städtische Gelände des Gründer- und Technologiezentrums (GuT) an Wochenenden und Feiertagen sowie in den frühen Morgenstunden „hell erleuchtet“ vorfindet. Auch andere Zuschriften erreichten die Redaktion, in denen sich Solinger wundern, dass nachts in öffentlichen Gebäuden Lampen brennen.

„Wir leisten uns nur noch das Allernotwendigste“, versichert Bernd Clemens, Geschäftsführer des Gründer- und Technologiezentrums. Auf Hof und Parkplatz brenne bloß jede zweite Laterne, und zwar stark gedimmt. Das sorge für ein Mindestmaß an Sicherheit, ebenso wie das Licht, das die Eingänge erhelle. Innerhalb des Gebäudes werden die Lampen laut Clemens nachts abgeschaltet. Ausgenommen sind Abende mit Veranstaltungen, welche es mindestens einmal pro Woche gebe. Zudem arbeiteten junge Gründer oft bis in den frühen Morgen. „Dann brennen im Büro natürlich noch die Lampen.“

Ähnlich verhält es sich im Theater und Konzerthaus. An über 200 Abenden im Jahr finden dort Veranstaltungen statt. Dann ist das Foyer bis 24 Uhr beleuchtet. Danach schaltet der Pförtner bis auf eine Restbeleuchtung ab. Diese hält Peter Assé, Leiter des Hallenmanagements, auch für unverzichtbar. „Das Theater darf kein dunkler Kasten sein.“ Um die „überschaubaren Kosten“ weiter zu senken, setzt Assé zunehmend Sparbirnen ein. In der Festhalle Ohligs sowie im Stadtsaal Wald brennen jeweils nur einige Lampen am Eingang.

Kulturstätte soll kein dunkler Kasten sein

Die Stadtbibliothek schaltet die Beleuchtung ihrer Fenster ab 22.30 Uhr auf reduzierten Betrieb. Auf dem Parkplatz des Verwaltungsgebäudes an der Bonner Straße sind im Gegensatz zu früher zwischen 21 und 6 Uhr sowie an Wochenenden die Laternen ganz aus. Nur an den Zugängen brennt nachts Licht, Gleiches gilt für den neuen Rathaus-Trakt an der Merianstraße. „Das schreckt lichtscheue Gestalten ab“, begründet Pressesprecher Lutz Peters, und es schütze diejenigen, die zum Nachtbriefkasten oder ins Parkhaus wollen. Im Gebäude brennt lediglich die Notbeleuchtung - auf Sparflamme.

Dass diese für Passanten trotzdem relativ hell wirken kann, weiß man am Technischen Berufskolleg Solingen, weil sich schon Anwohner gemeldet haben. Die Schule versucht, streng auf die Kosten zu achten und sich gleichzeitig gegen Einbrecher und Diebe zu schützen. Denn solche machten in den vergangenen Jahren schon mehrfach Ärger.