Ein Schlag ins Wasser. Seit gestern gelten die Verhandlungen zwischen der Stadt und der Lebenshilfe Werkstatt für Behinderte als gescheitert. Der Plan, das Hallenbad Birkerstraße an die Lebenshilfe zu übertragen, lässt sich vermutlich nicht mehr realisieren. Verärgert hat der Investor den Ausstieg verkündet. „Wir können das wirtschaftlich nicht darstellen“, erklärt Kurt-Reiner Witte im Gespräch mit dem ST. „Das finanzielle Risiko ist zu hoch.“
Witte ist Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe. Diese ist bei ihren Investitionen in der Regel stark auf öffentliche Zuschüsse angewiesen. „Wir müssen Rechenschaft darüber ablegen, wie wir diese Mittel verwenden“, sagt Witte. „Das ist das Geld anderer Leute.“ Und dieses, fürchtet der Lebenshilfe-Chef, lasse sich an der Birkerstraße eben nicht erfolgversprechend anlegen, wenn gleichzeitig im Westen Solingens neue Konkurrenz in Form eines kombinierten Frei- und Hallenbades erwachse. Dies genau soll aber nach dem Willen der Stadtspitze sowie der Ratsmehrheit aus CDU und SPD geschehen. Am Dienstagabend hat der Finanzausschuss den Plan abgesegnet.„Ich will nicht als Bankrotteur des Birker Bades in die Geschichte eingehen.“KurtReiner Witte, LebenshilfeWitte wertet den Beschluss als unmissverständliche Ansage. Zumal Sportdezernent und Kämmerer Ernst Schneider (CDU) seit Wochen bekannt sei, dass ein Kombi-Bad mit Wellness- und Saunaangeboten für das Vorhaben der Lebenshilfe ein K.o.-Kriterium darstelle. Witte: „Zwei Bäder dieser Art, nur wenige Kilometer voneinander entfernt, verträgt Solingen nicht.“ Und das Kombi-Bad – darin sind sich beide Seiten einig – muss Sauna und Wellness anbieten, um rentabel zu sein. Witte: „Sonst kommt kein Investor.“Schneider, der ausreichend Potenzial für beide Standorte in Solingen sieht, zeigt sich irritiert über Wittes Verhalten. „Wir haben unsere Gesprächspartner immer klar darüber unterrichtet, was wir vorhaben.“ Deshalb dürfe der Beschluss vom Dienstag niemanden überraschen. Zwar habe die Lebenshilfe vor einiger Zeit ihre Bedenken formuliert. „Aber diesen Punkt glaubten wir überwunden.“Nun herrscht zumindest erst einmal eine Denkpause, und es stellt sich die Frage, ob das Bäderkonzept ohne den Standort Birkerstraße überhaupt funktionieren kann. „Ja“, sagt ein ziemlich gelassener Schneider. „Wir brauchen die Wasserfläche dort nicht unbedingt, um den Bedarf der Schulen und Vereine zu decken.“ Dazu genügten das neue Kombi-Bad sowie eine ausgebaute Klingenhalle, so wie sie das Konzept vorsehe.Holt sich die Stadt jetzt die Millionen-Zuschüsse?Weiterhin auch im Birker Bad Schwimmzeit für Schulen zur reservieren, sei ohnehin vorrangig im Interesse der Lebenshilfe gewesen. Schneider: „Denn die Zuschüsse des Landes sind an die öffentliche Nutzung gekoppelt“. Dieses Geld, etwa drei bis vier Millionen Euro, könne theoretisch auch die Stadt beantragen, um das Birker Bad grundlegend zu modernisieren. Dann wiederum könne sie auf den Ausbau der Klingenhalle verzichten. Schneider: „Das sind verschiedene Varianten, die wir prüfen müssen.“ kra »Guten Morgen