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23.11.2011 17:25
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Sprengung im ,Kipp-Kollaps’-Verfahren

Seit gestern ist es offiziell, selbst ein dramatischer Wettereinbruch wird kein Hinderungsgrund sein: Am 4. Advent, 18. Dezember, wird mittags das Turmhotel gesprengt. Das haben gestern die Investoren des geplanten neuen Einkaufszentrums, die Solingen Shopping Center GmbH, auf einer Pressekonferenz im Solinger Rathaus erklärt. Sie kündigten für den 4. Adventssonntag eine großräumige Absperrung rund um das ehemalige Karstadt-Areal an. Alle Bewohner der angrenzenden Häuser müssten diese vorsorglich verlassen. Oberstes Ziel sei die Sicherheit für Bürger und benachbarte Gebäude sowie ein reibungsloser Ablauf der Sprengung.

Sprengung erfolgt nach dem „Kipp-Kollaps“-Verfahren

„Wir liegen mit den bisherigen Abrissarbeiten dermaßen gut in der Zeit, dass die Sprengung des ehemaligen Hotels zu unserem Wunschtermin erfolgen kann“, sagte gestern Michael Flesch vom Projektentwickler MAB. Das Frankfurter Unternehmen gehört zum Joint Venture mit Partner Sonae Sierra. Beide stemmen gemeinsam das rund 120 Millionen-Euro-Projekt. „Allein Abriss und Sprengung kosten rund vier Millionen Euro“, sagt Thomas Binder (Sonae Sierra).

„Dreieinhalb Jahre Vorbereitung waren nötig, bis jetzt der Sprengtermin steht“, rechnet Geowissenschaftler Dr. Manfred Kühne vor. Er ist mit seiner Dortmunder Firma GeoExperts für den ordnungsgemäßen Abriss und die Sicherheit bei der Sprengung verantwortlich.

„Dann wird es nur fünf Sekunden dauern, bis das Turmhotel niedergelegt ist“, fügt Helmut Roller hinzu. Der Sprengmeister, der über 40 Jahre Erfahrung mit 1500 Gebäudeniederlegungen vorweisen kann, hat 1968 an gleicher Stelle das Monopol-Kino gesprengt, später auch das Gebäude der Deutschen Bank an der Clemenskirche.

Roller erklärt: „Aufgrund der engen Bebauung am Neumarkt und der vielen in unmittelbarer Nähe gelegenen Wohn- und Geschäftshäuser soll der Turm im so genannten ,Kipp-Kollaps’-Verfahren gesprengt werden.“ Hierbei würden zunächst in den ersten und zweiten Etagen zwei gegensätzliche Keile aus dem Gebäude herausgesprengt, so dass der Turm zweimal erst leicht einknickt, bevor kurz darauf weitere Sprengsätze am Fundament den Turm in sich zusammenfallen lassen. Dieses Kipp-Verfahren sei notwendig, weil so nicht nur die Fallrichtung des Turms genau berechnet werden könne, sondern auch, weil mit nur 47 Metern Länge viel weniger Platz im Fallbett vorhanden sei, als der Turm mit seinen 62 Metern an Höhe besitzt. Der Sprengmeister: „Der Turm wird also in den ersten drei Sekunden zweimal verkürzt, bevor er nach zwei weiteren niederfällt.“ 60 Kilo Sprengstoff seien dafür nötig.

Mit dem bisherigen Abrissgut entstehen dann rund 40 000 Tonnen Bauschutt. 32 000 Tonnen müssten abgefahren werden, was rund 1600 Lkw-Ladungen ausmacht. Der Hedderich-Pavillon wird vor der Sprengung konventionell abgerissen.

Am Rand der durch Zäune festgelegten Sperrzone soll es für 5000 erwartete Solinger Zuschauer die Möglichkeit geben, der Turmsprengung aus sicherer Entfernung zuzusehen. hpm