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23.06.2010 10:53
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Spezialist fürs „Brückenflattern“

JUNGE FIRMA

EZI Die Gesellschaft wurde 2005 gegründet, als Renato Eusani noch als Assistent an der Bergischen Universität arbeitete. 2006 nahm sie den Betrieb auf. Weiterer Geschäftsführer ist Dr.-Ing. Michael Hortmanns, Gesellschafter Prof. Dr.-Ing. Wolfhard Zahlten. Spezialgebiete: klassische Tragwerksplanung, Windingenieurwesen, Baudynamik.

SACHVERSTÄNDIGER Dr.-Ing. Re-nato Eusani ist einer der wenigen vereidigten Sachverständigen für Schwingungen im Brückenbau. Ende 2009 legte er eine zweitägige Prüfung in München ab.

Im Schneckentempo schleicht der „Müngstener“ über die Brücke. Güterzüge dürfen überhaupt nicht mehr fahren. Unten im Brückenpark sitzt Dr.-Ing. Renato Eusani und denkt an seine Jugend. „Ich kenne die Brücke von klein auf, weil ich hier aufgewachsen bin. Heute sieht man sie natürlich mit anderen Augen.“

Heute ist der 37-Jährige einer von drei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Schwingungen (Gebiet Baudynamik) und nur einer von zwei in ganz Deutschland, die auf Schwingungen im Brückenbau spezialisiert sind. „Bei der Müngstener Brücke glaube ich allerdings nicht, dass es zu problematischen Schwingungen kommt. Wenn Lager festsitzen, können sich jedoch Zwängungen aufbauen und Bremskräfte in Bereiche abgeleitet werden, die dafür nicht ausgelegt sind“, vermutet der Experte.

Bei Eisenbahnbrücken geht es um die Ermüdungssicherheit

Ihm leuchtet ein, dass allein die vor der Reparatur nötigen Nachberechnungen zur Standsicherheit mehrere Monate dauern. „Die Prüfer müssen die Bauwerksbücher durcharbeiten. Die Berechnungen von früher sind von der Nachweistiefe her natürlich nicht mit dem vergleichbar, was man heute kann“, sagt Eusani „Bei Eisenbahnbrücken ist seltener die Stand- als die Ermüdungssicherheit das Problem.“

Was man heute kann, das ist oft dem Computer zu verdanken. In ihrem Büro an der Remscheider Straße lassen Renato Eusani, Dr. Michael Hortmanns und Prof. Dr. Wolfhard Zahlten (siehe Kasten) „alle möglichen“ virtuellen Züge über virtuelle Brücken rollen. Etwa bei der 126 Meter langen Muldebrücke in den neuen Bundesländern, wo die Bahn verschiedene Strecken erneuert. Eusani: „Bei der 1300 Tonnen schweren Brücke ging es darum, ob sie schwingungsanfällig ist. Wir haben hier dynamische Überfahrtsimulationen durchgeführt.“

Seit kurzem ist das Expertenbüro „präqualifiziert“ für Aufträge der Bahn. Schließlich kann das Team auf zahlreiche Referenzen verweisen. Eusani: „Wir haben beispielsweise an der Schrägseilbrücke zwischen Kehl und Straßburg mitgearbeitet und berechnen momentan eine 1000-m-Schrägseilbrücke in Belgrad.“ Dort geht es speziell um Auswirkungen möglicher Erdbeben und um Windkräfte. „Das ist eigentlich unser Spezialgebiet, das so genannte Brückenflattern.“

Den Arbeiten an der Müngstener Brücke kommen die an der Strelasundbrücke (Rügen) am nächsten. An der genieteten Stahlbrücke werden seit Mai Bauteile ausgetauscht; andere werden verstärkt. Das Solinger Team ist ebenso beteiligt wie bei einer 70 m langen Straßenbrücke in Stahlverbund-Bauweise über die Nahe in Rheinland-Pfalz.

Trotz aller Erfahrungen will Renato Eusani keine Prophezeiung wagen, ob zum Brückenfest wieder schwere Dampfloks über das Tal der Wupper fahren können. Während er auf der Terrasse von Haus Müngsten sitzt, wo die bewusst rostige Fassade die imposante Eisenbahnbrücke widerzuspiegeln scheint, sagt er salomonisch: „Heute werden Brücken auf eine rechnerische Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt. Das heißt nicht, dass alle Brücken nach 100 Jahren kaputt sind.“ flm