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09.11.2011 10:27
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Solinger Alleingang ins Rheinland?

Am vierten Adventssonntag wird sehr wahrscheinlich der Karstadt-Turm gesprengt. Es war nicht der einzige Satz, mit dem Oberbürgermeister Norbert Feith gestern Abend für angeregte Gespräche bei Rinderlende und Barolo-Schalotten sorgte. Beim „Schwertschmiedemahl“ sprach Feith vor dem Hauptgang eine Fülle von Themen an, die auch Kammerpräsident Friedhelm Sträter teilweise berührt hatte.

„Ich werde bis zum Ende der Ratsperiode keine weiteren Steuererhöhungen vorschlagen“, reagierte Feith auf eine entsprechende Kritik Sträters. Die Erhöhungen hätten der Stadt zwar elf Millionen Euro gebracht, sich aber trotzdem „nicht bewährt“: Das Land lässt Solingen 2011 ohne Rettungsschirm im Regen stehen. 2012, forderte Feith, müsse die Klingenstadt „spätestens dabei sein“ – und das Geld müsse vom Land kommen, nicht von reicheren Städten.

Viel Raum widmete Feith der Rheinland-Initiative: Geschlossenheit im Bergischen sei der beste Garant für Einfluss an der Rheinschiene. Fehle es an der bergischen Einheit, werde man sich darauf besinnen, „dass wir die Stadt mit der größten geographischen Anbindung sind.“

Gute Konjunktur hält noch an, aber Sorge wegen der Eurokrise

Vor den „Bergischen Tapas“ als Vorspeise hatte IHK-Präsident Friedhelm Sträter vorsichtigen Optimismus verbreitet: „Der Konjunkturmotor läuft in Solingen immer noch relativ rund.“ Als Risiken sähen die Unternehmer aber vor allem hohe Rohstoffpreise und die Eurokrise. Man wolle keine „dauerhafte Transferunion“ und keine „Verschuldungsorgien“.

Sträter machte sich für eine neue A3-Anbindung und eine Sanierung der Müngstener Brücke stark: „Wir haben immer deutlich gemacht, dass ein Neubau für uns nicht in Frage kommt.“ Die Entscheidung der Bahn soll in diesem Monat verkündet werden.

Der Präsident lobte das gemeinsame Gewerbeflächenkonzept der bergischen Städte („es war höchste Zeit“) und forderte Landeshilfen bei der Sanierung kleinerer Brachen.

Unter den so zahlreich wie nie erschienenen Gästen war die Stimmung gut: „Bei uns boomt es immer noch wie verrückt“, bestätigte Horst Gabriel, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands und Chef der Firma Emde. „Alle sagen, es ginge um 20 Prozent zurück, aber meine Kunden fragen, ob ich das Doppelte fertigen kann.“

„Die Auftragslage war im ersten und zweiten Quartal sensationell“, sagte Jan Coblenz, Geschäftsführer von Brangs + Heinrich. Das Jahr verlaufe „insgesamt sehr zufriedenstellend“ – aber Fachkräfte seien rar. „Im Plan“, erläuterte Thomas Busch, bewege sich das Spezialversandhaus Walbusch. „Die verschobenen Jahreszeiten machen dem Textileinzelhandel aber überall zu schaffen.“ flm