Eine Stadt ist von Anfang bis Ende in Bewegung. Zwei Großprojekte fesseln das Solinger Interesse in diesen Tagen. Beide Male geht es um wuchtige Einkaufszentren, die der Klingenstadt den Ruf einbringen sollen, ein Paradies für Shopping-Freunde zu sein. Zwei Meilensteine sollen es werden, die der oft so wendigen und unbequemen Konkurrenz in Nachbarstädten wie Hilden und Langenfeld das Fürchten lehren. Der Hofgarten auf dem ehemaligen Karstadt-Areal am Neumarkt steht zur allgemeinen Begeisterung nun doch unmittelbar vor dem Baustart. Viele hatten schon nicht mehr daran geglaubt. Jetzt hoffen sie auf den Turbo für die Innenstadt. Etwa acht Kilometer weiter westlich bestimmt das O-Quartier das Ohligser Tagesgespräch. Dort geht es nicht eben konfliktfrei zu. Manch einer fürchtet den großen Schatten, den ein Center dieses Kalibers auf den Stadtteil werfen könnte –neben aller Stimulierung der Kauflaune. Auf die Einhaltung des lebenswichtigen „Knochenprinzips“ pochen die Kritiker mit aller Macht. Der Begriff meint ein Gegengewicht am anderen Ende der Fußgängerzone, um eine Verödung zu verhindern. Dieses Knochenprinzip lässt sich mit dem City-Center auf die gesamteStadt übertragen – hier das O-Quartier, dort der Hofgarten, der nicht mehr lange so heißen soll. Das wird übrigens kein Nachteil, weil die Bezeichnung durch die lange Hängepartie negativ belastet ist. Gespannt werden wir also warten, ob der magische Knochen der Klingenstadt die nötige Stabilität verleiht, um in der Zukunft zu florieren. Sie hätte es so bitter nötig! Illusionen sollte sich aber niemand machen. Die Debatte, die nun in Ohligs läuft, wird in Potenz auch die Innenstadt erreichen. Und wer wirklich glaubt, dass der Investor am Neumarkt alles halten kann, was er heute anpreist, hat in den vergangenen Jahren nicht in Solingen gelebt. Schlimm muss das nicht sein, wenn jemand den Prozess klug lenkt. Stadt und Politik sind in dieser Frage gefordert wie nie. Der Neumarkt – wie auch Ohligs – braucht zwingend einen Erfolg. Alles andere wäre verheerend. Um den zu sichern, sind jetzt aber auch die Geschäftsleute gefragt, alles in die Waagschale zu werfen. Besonders jene, die monierten, die Stagnation auf dem Karstadt-Areal blockiere jede Investition. Nach der Zeit der Klagen müssen auch sie endlich handeln.
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