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24.07.2010 16:52
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Große Fotostrecke: So verrottet das Freibad Schellbergtal

Von Christina Biermann

Erwachsene drei Euro, Zehnerkarte 26 Euro - noch gut lesbar hängt die alte Preistafel am Kassenhäuschen des inzwischen seit vier Jahren geschlossenen Freibads Schellberg. Der rote Wertsachenspind liegt dort, wo er irgendwann einmal umgefallen ist. Das Türchen Nummer 103 stützt verbeult den rostigen Klotz.

So groß wie viele der zahlreichen Kinder, die sich einst bei Sommerhitze hier tummelten, sind die jungen Birken, die zwischen den Waschbetonplatten rund um das Becken wachsen. Die ehemalige Liegewiese im hinteren Bereich des Areals ist ein Insektenparadies geworden.

Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte des bunten Wildwuchses. Idyllisch mutet es an, wenn die Grillen am frühen Abend zirpen. Fast ein Naturparadies, wären nicht all zu deutlich die kläglichen Reste des alten Freizeitbades erkennbar: Die rot-blaue Kinderrutsche liegt umgekippt in der wilden Wiese. Das bunte Fisch-Mosaik im kreisrunden Babybecken ist vor Moos und Schmutz kaum mehr erkennbar. Nur ein kleines Stück der beliebten rund 63 Meter langen orangefarbenen Wasserrutsche ist noch frei von Bewuchs und mündet einsam in das 50 mal 25 Meter breite Becken.

„Das Wasser ist noch drin, damit die Beckenwände nicht einbrechen“, erklärt der ehemalige Schwimmmeister Mathias Bund. Er lebt noch in seiner alten Dienstwohnung. Aus seinem Wohnzimmerfenster blickt er jeden Abend auf den Bereich, der einst sein Leben war und wo sich in Spitzensommern bis zu 50 000 Gäste tummelten. „Inzwischen berührt mich der Anblick nicht mehr. Aber die erste Zeit war hart.“ Auch wenn er sich beruflich umorientiert hat, so ganz lässt ihn sein alter Job nicht los. „Bei diesem Wetter kommen jeden Sonntag zehn bis 15 Autos, meist von außerhalb, und sind ganz überrascht, dass geschlossen ist.“ Auch heimliche Nachtbader besuchten hin und wieder die alte Spaßstätte. Dann weise Bund sie auf die Gefahren hin. Abgebrochene im Wasser schwimmende Flaschen zeugen von potenziellen Verletzungsquellen. Eine Wiese dient zuweilen als Platz für Jugend-Zeltlager.

Einsatz des Vereins ist nicht belohnt worden

Bis zur Schließung war der SV Solingen-Süd Pächter des Freibad-Areals. Vorstand Rainer Kotthaus blickt traurig auf die Einstiegstreppe. „Was da schwimmt, das waren die Sprungbretter“, sagt er und zeigt auf verwitterte im Wasser treibende Holzstücke. Mittlerweile springen nur noch Frösche ins grün-braune Nass. Kotthaus bedauert noch immer die Schließung des Bades. „Wie hier mit Engagement des Vereins und auch des Schwimmmeisters stetig modernisiert und in Schuss gehalten wurde ist unglaublich.“ Die Solaranlage zur Warmwasserbereitung, die Erweiterung von Liege- und Ruhezonen oder der Bau der Wasserrutsche - schade, dass nun alles verfalle.

Eigentümerin des Geländes ist die Stadt Solingen. Laut Stadtsprecher Lutz Peters werde im Stadtdienst Natur und Umwelt eine mögliche Renaturierung des Bades geprüft. „Es ist noch nicht absehbar, wann eine Entscheidung getroffen wird. Solange passiert nichts mit dem Gelände.“

Weder Kotthaus noch Bund glauben an ein mögliches Zukunftskonzept. „Dafür hat die Stadt doch gar kein Geld. In der Zwischenzeit“, so der ehemalige Schwimmmeister, „renaturiert sich das Bad von allein.“