Drei bewaffnete Polizisten und drei Wachmänner passen auf den Angeklagten (29), der im Rollstuhl sitzt, auf. Dem Gutachter soll er von Gewaltphantasien, von seinem bodenlosen Hass auf Zeugen und Justiz erzählt haben. Jetzt sitzt er da im Wuppertaler Landgericht - und verhält sich recht ruhig. Doch die Wut scheint in ihm zu gären. Das, was die Staatsanwältin im Plädoyer sagt, geht ihm zuweilen offenbar gegen den Strich: Der Solinger spannt sich an, ballt eine Faust, gibt missbilligende Laute von sich. Ihr Bestrafungsvorschlag für ihn nach fünf Monaten Prozessdauer: sieben Jahre Haft. Zum letzten Termin kam er nicht. Er ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik (ST berichtete). Nach wie vor nennen ihn seine Ärzte suizidgefährdet und depressiv, am Prozess könne er diesmal aber teilnehmen.
Aus Sicht der Staatsanwältin schmuggelte er als Drogenkurier in 16 Fällen Heroin von Holland nach Solingen, insgesamt acht Kilo, und handelte 15 Mal damit. Sie glaubt ihm nicht, dass er dazu gezwungen worden sein will.
Anfangs gab es fünf Angeklagte im Prozess, darunter eine 85-Jährige. Ihr Verfahren wurde eingestellt, sie gilt als dement. Abgetrennt wurden ihr Sohn (50) und Enkel (25): Der Gutachter stuft beide als voll schuldfähig ein und empfiehlt ihre Unterbringung in eine Entziehungsanstalt. Die Urteilsverkündung steht bald an. cd