Kindern das Schwimmen beibringen, Sportabzeichen abnehmen, Aquafitness-Kurse, Synchronschwimmer und Kindergeburtstagsfeiern beobachten – „Wir haben eben darüber sinniert, was wir hier alles erlebt haben“, sagt Cornelia Duhr (46) mit Blick auf ihren Schwimmmeister-Kollegen Knut Reeder (44). Er steht im leeren Becken des Hallenbads an der Ohligser Sauerbreystraße. Zum letzten Mal haben beide gestern das Wasser abfließen lassen.
Damit ist der erste Schritt zur „technischen Außerbetriebnahme“ – wie es die städtische Pressestelle nennt – getan. Das 83 Jahre alte Bad wird geschlossen. Vorletzte Woche hatten sich die Frühschwimmer von ihrem Hallenbad verabschieden müssen (ST berichtete). Gute sechs Stunden hat es gestern gedauert, bis das 25 mal 10 Meter große und bis zu 3,20 Meter tiefe Becken leergelaufen war.
Leere und Stille im früher beliebten Stadtteilbad
Der Geruch von Reinigungsmitteln liegt in der Luft. Zitrone. Auch wenn zum letzten Mal Wasser abgelassen wird, das Becken wird gründlich gereinigt. „Alles andere würde meinem Berufskodex widersprechen“, sagt Reeder. Wie er ist auch Duhr in der Umgebung großgeworden. Schon die Eltern schwammen hier. „Ich habe heute noch eine Abschlussrunde im Wasser gedreht“, sagt Duhr lächelnd.
So leer, ohne Fön-Geräusche, klappernde Kabinentüren und auf die Fliesen patschende Füße, kennen das Bad nur die Mitarbeiter. Nicht nur die vier Startblöcke am Beckenrand sind verwaist. „Wannenbäder Damen“ steht im zweiten Stock, der schon vor 1982, als Duhr ihre Ausbildung begann, jahrzehntelang leer gestanden hatte. Die Wandfarbe bröckelt, eine Motte fliegt herum. In jedem der zehn kleinen Räume steht eine Badewanne. Wer selbst keine hatte oder nicht mehr allein baden konnte, kam früher zum Baden in die Sauerbreystraße.
An dem Schild mit der Aufschrift „Zu den Brauseräumen“ vorbei geht es in den Keller. Rund um das betonierte und etwa 600 000 Liter fassende Becken herum stehen die vier großen Filterbehälter. Die Wassereinspeisungsrohre verlaufen an Decke und Boden und auch das rote Rädchen, durch dessen Drehung gestern das Wasser abgelassen wurde, ist dort zu finden.
„Weißt du noch, wie wir samstags immer schwimmen gegangen sind?“, fragte Duhrs Schulfreundin sie vor einigen Tagen. Jetzt türmen sich neben der Schwimmmeisterin Plastikstühle, Rettungsringe, Pflanzen, Toilettenpapier und vieles mehr auf. Per Kleintransporter wird alles ins Klingenbad und zum Hallenbad Vogelsang abtransportiert.
So wie dem Inventar des Hallenbads geht es auch den Mitarbeitern. Sie werden auf die anderen städtischen Bäder umverteilt. Spezialisierte Fachfirmen demontieren bald die Chlorgasanlage. Ende Oktober werden die Schwimmmeister die Türen des Ohligser Hallenbads endgültig schließen. » Guten Morgen