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27.05.2009 10:48
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SPD-Offensive fürs Birker Bad
Von Thomas Kraft

In der Bäderpolitik geht die SPD abermals in die Offensive. Nachdem die Sozialdemokraten auf Drängen ihres Oberbürgermeisterkandidaten Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver bereits die Pläne für den Bau eines Kombi-Bades gestoppt haben (ST berichtete), machen sie nun massiv Druck auf die Stadtverwaltung und fordern die schnelle Übertragung des Birker Bades an die Lebenshilfe. Gleichzeitig machen sich Müller-Stöver und Fraktionschef Ernst Lauterjung dafür stark, das Klingenbad nicht nur um ein 25-Meter-Becken, sondern auch um ein Lehrschwimmbecken zu erweitern. Mit dieser großen Lösung wollen die Genossen die Bedürfnisse des Vereinssports abdecken. Zur Finanzierung wollen sie weiteres Geld aus dem Konjunkturpaket einsetzen, das nicht wie vorgesehen für Straßenbeleuchtungsmaßnahmen eingesetzt werden dürfe. Das zweite Becken soll zusätzlich rund eine Million Euro kosten. Bisher war der Ausbau mit etwa 4,5 Millionen Euro kalkuliert.

Scharfe Attacken auf Sportdezernent Feith

Die SPD-Spitze zeigt sich besorgt und verärgert, weil die Übergabe-Verhandlungen zwischen dem Rathaus und der Lebenshilfe seit Wochen stocken. Den Schuldigen haben sie in Sportdezernent Norbert Feith (CDU) ausgemacht, der bei der Kommunalwahl am 30. August gegen Müller-Stöver um das Amt des Oberbürgermeisters kämpft. „Er hält sich nicht an Absprachen und ist unzuverlässig“, feuert Lauterjung eine Breitseite auf den Christdemokraten ab. „Feith legt sich mit der Lebenshilfe an und dieser immer neue Steine in den Weg.“ Der SPD-Fraktionschef nennt den Dezernenten gar einen „Lehrling“, der die Gespräche besser Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) überlasse. „Das muss jetzt Chefsache sein. Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“ Müller-Stöver erwartet bis zur Sommerpause Vollzug.

Die Lebenshilfe ist der einzige Interessent, mit dem die Stadt nach einer öffentlichen Ausschreibung verhandelt. Geschäftsführer Josef Neumann plant die Sanierung und den Umbau zu einem Gesundheits- und Wellness-Zentrum.

Das neue Birker Bad soll in den Morgenstunden weiterhin Platz für das Schulschwimmen lassen. Das war in allen Gesprächen unstrittig, die seit Jahren zwischen den Verhandlungspartnern geführt werden. Zuletzt soll die Stadt aber auch versucht haben, sich weitere Wasserzeiten für die Schwimmvereine auszuhandeln. Darüber ist die Lebenshilfe wenig begeistert. „Dann bliebe für das Publikum nicht mehr viel übrig“, sagt Lebenshilfe-Chef Kurt-Reiner Witte. „Und es ließen sich nur wenige Arbeitsplätze für Behinderte schaffen.“ Trotzdem zeigt sich Witte nach wie vor offen: „Es gibt für alles Lösungen. Ich bleibe weiterhin zuversichtlich.“

Die Geduld der Lebenshilfe hat Grenzen

Nur nicht für den Fall, dass die CDU und Feith weiterhin darauf schielen, nach der Wahl die Kombi-Bad-Pläne wieder aus der Schublade zu holen. „Dann steigen wir aus“, sagt Witte. „Mit diesem Risiko können wir nicht leben.“ Der Lebenshilfe-Vorsitzende fürchtet die Konkurrenz. Im Wunsch nach einem Kombi-Bad vermutet er den Grund für die Hängepartie. „Feith hat dies immer für die beste Lösung gehalten.“ Auch in der CDU sollen diese Stimmen nicht verstummen. Deshalb will Witte nicht ausschließen, dass im Rathaus derzeit auf Zeit gespielt wird. Vor drei Wochen habe man sich zuletzt getroffen. Er warte auf einen neuen Termin. Doch Wittes Geduld ist begrenzt. „Bis Juni müssen Entscheidungen fallen.“ Eine deutliche Ansage, wenn auch kein Ultimatum, wie er betont.

„Die SPD steht hundertprozentig hinter der Lebenshilfe“, sagt Lauterjung. Es habe einen intensiven Austausch mit Geschäftsführer Neumann gegeben. Partei und Fraktion hätten die Position zementiert. Zusammen mit dem Ausbau der Klingenhalle sieht Müller-Stöver die „einmalige Chance, etwas Bleibendes zu schaffen. Dann hätten wir für die nächsten 15 bis 20 Jahre Ruhe im Karton.“ » Guten Morgen