Snippets
Snippets
21.06.2010 20:00
Drucken Vorlesen Senden
Prozess-Ende für Angeklagte (85)

Vier Monate hat es gedauert, bis die Angeklagte (85) am Montag ein unerfreuliches Kapitel abschließen konnte: Das Wuppertaler Landgericht stellte das Verfahren gegen sie ein. Damit folgte es den Aussagen der zwei Sachverständigen, die der Merscheiderin Verhandlungsunfähigkeit bescheinigt hatten (ST berichtete). Auch ein „methodenkritisches“ Gegengutachten, angestrengt durch die Staatsanwaltschaft, hatte die Kammer nicht umgestimmt.

Damit bleibt unklar, ob überhaupt bzw. wie tief die Solingerin in die Drogengeschäfte verwickelt war, von denen die Anklage ausgeht. Fünf Solinger sollen zwischen März 2008 und August 2009 in unterschiedlicher Beteiligung Heroin von Holland nach Solingen geschmuggelt, es gelagert und verkauft haben.

Sieben lange Stunden verfolgte die 85-Jährige am Montag geduldig den Prozess und nippte ab und zu am Becher ihrer Thermoskanne. Wie viel sie von den Fachsimpeleien mitbekam, ist unklar. Auch ob ihr klar ist, dass sie womöglich nur haarscharf an einer Gefängnisstrafe vorbeischrammte: Die Staatsanwältin hatte rund sechs Jahre Haft für sie gefordert.

Den Experten zufolge leidet die Rentnerin an einer dementiellen Erkrankung und ist nicht in der Lage, der Verhandlung zu folgen, sie zu verstehen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Anders als bei eingeschliffenen Verhaltensmustern im Alltag könne sie im Gericht nicht auf alte Erfahrungen zurückgreifen: „Das hier ist ein absolutes Novum für sie“, so die Gutachterin.

Ob jetzt Ruhe in ihr Leben einkehrt, ist fraglich: Nach wie vor muss die Solingerin um Sohn (50) und Enkel (25), ebenfalls angeklagt, bangen. Auch mit der Verlobten (29) des Enkels wird sie sich schwerlich zuhause treffen können: Die junge Frau ist bereits zu 20 Monaten Haft verurteilt worden. Der Prozess um Sohn, Enkel sowie einen Bekannten (29) geht am Dienstag weiter. cd