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Viel Rummel um „Drogen-Oma“
Wie eine Mauer umstellen die beiden Verteidiger ihre Mandantin (85), um sie vor dem Blitzlichtgewitter zu schützen. Die bundesweit als Deutschlands vermutlich älteste „Drogen-Oma“ bekannt gewordene Merscheiderin hat die Kapuze ihres Mantels tief ins Gesicht gezogen. Erst als die Kamerateams abziehen, zeigt sie sich: Sie wirkt wie die biedere Oma von nebenan – nur verängstigt. „Ihr geht es schlecht“, sagt ihre Anwältin Isabell Schemmel. Mitangeklagt vor dem Wuppertaler Landgericht sind ihr Sohn (50), Enkel, dessen Freundin (beide 28) sowie ein Bekannter (29): Als Bande sollen sie zwischen März 2008 und August 2009 in unterschiedlicher Beteiligung Heroin aus Holland nach Solingen gebracht und verkauft haben. Nach einem Tipp aus der Drogenszene obervierte die Polizei sie tagelang und gab bei einer Pressekonferenz erste Erkenntnisse bekannt (ST berichtete). Zur Verlesung der Anklage kommt es nicht. Der 29-jährige Bekannte, der seit einer tragischen Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt ist, ist nicht da. „Eine Unverschämtheit“, findet der Vorsitzende Richter. Ein ärztliches Attest, das sein Fernbleiben mit depressiver Verstimmtheit erklärt, sei „auf den letzten Drücker“ eingereicht worden. Ein Gutachter indes, der mit dem 29-Jährigen gesprochen hat, sagt: „Er könnte jetzt hier sein.“ Der Experte vermutet, dass er dem Medienrummel entgehen will. Er sei „voll vernehmungs- und verhandlungsfähig“, wegen seiner Schmerzen müsse er aber nach zwei, drei Stunden ausruhen. Der Solinger sei „fatalistisch“ eingestellt und „voller Wut“ – angeblich zwangen ihn die Mitangeklagten zum Mitmachen.
Der 29-Jährige muss sich, da er nicht in Untersuchungshaft sitzt, regelmäßig bei der Polizei melden: Das habe ihn körperlich derart geschwächt, dass er zu Prozessbeginn nicht aussagen könne, gibt der Gutachter die Aussagen des Solingers wieder. Am 23. Februar, dem nächsten Prozesstermin, wird er polizeilich vorgeführt. Notfalls wird sein Verfahren abgetrennt. Sohn und Enkel sind beide einschlägig vorbestraft, der 28-Jährige stand zum angeklagten Zeitraum sogar unter Bewährung. Seit August 2009 sitzen beide Männer in „U-Haft“. Der 28-Jährige hat seine mitangeklagte Freundin vermutlich lange nicht gesehen: In einer Prozesspause küssen sie sich. „Sie dürfen nicht miteinander reden!“, ermahnt die Staatsanwältin. Wie gefährlich Heroin ist, lässt der 50-Jährige erahnen: Ausgezehrt wirkt er, bleich. Er soll, ebenso wie der 28-Jährige, „hochgradig abhängig“ sein. Aus einer „Zwangslage“ heraus habe die Rentnerin ihrer Familie geholfen, sagt die Verteidigern der geständigen Frau. Bei Kurierfahrten ihres Sohnes und Enkels soll sie mitgemacht, Drogen und Geld für neue Einkäufe bei sich gebunkert haben. Das Heroin versteckte sie laut Anklage in Kaffeeverpackungen. Die Zeit bis zum nächsten Prozesstag – angesetzt sind zehn – wird für die Frau nicht leicht: „Nachbarn schneiden sie, machen ihr Vorwürfe und wechseln die Straßenseite“, sagt ihre Anwältin. cd |
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