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06.05.2011 10:55
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Müngstener Brückenwitz in Medien

Von Uli Preuss

Na, prima: Solingen, die Stadt mit dem schlummernden Weltruf, ist wieder medienweit präsent. Wovon die Marketingfachleute der Stadtwerbung nur träumen, die Bahn hat’s geschafft.

Der Blätterwald rauscht von Süden („Süddeutsche Zeitung“) bis an die Küste („Hamburger Abendblatt“). Die Zeitungskollegen lassen ein bisschen die fachliche Distanz vermissen und hauen sich stattdessen vor Lachen auf die Schenkel. „Bahn vermasselt sich Zugverkehr“ spöttelt „Spiegel online“, und das „Abendblatt“ bringt’s gleich im doppelten Sinne auf den Punkt: „Bahn vergisst Fahrgäste“. Ach, liebe Hamburger, das wissen wir hier schon lange. Mal werden Fahrgäste vergessen, mal einfach nicht wahr- und oft nicht mal ernst genommen.

Was aber am Mittwochabend der FC Schalke mit der Müngstener Brücke zu tun hatte, muss erklärt werden. Okay, eine lustige Antwort könnte sein: Zwischen Bahn gegen Brücke steht es mindestens 1:4. Das Unternehmen Zukunft, abstiegsgefährdet und weit entfernt vom Champions- League-Platz. Doch gerade die Schalker Pleite war es, die den aufkeimenden Weltruf der Klingenstadt in Grenzen gehalten hat.

„Der Fußball auf Sat 1 hat das ZDF Zuschauer gekostet“, heißt es von der Mainzer Pressestelle des Senders. Nur schlappe 2,63 Millionen Zuschauer statt sonst 3, 9 Millionen (im Schnitt des ersten Jahresquartals) sahen am Mittwochabend im „Heute Journal“, wie Marietta Slomka über die Posse um Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke schmunzelte.

Die Slomka ist wirklich bezaubernd. Was für ein Lächeln, besonders als sie nach dem Solinger Beitrag schaudernd auf den Krimi „Unter Wölfen“ hinwies. Zitat: „Noch mehr gruseln können Sie sich in unserem Krimi. . . “ Immerhin: Einen Drei- Minuten-Beitrag war dem ZDF der Müngstener Schildbahnerstreich gegen rund 12 000 Fahrgäste wert. Bin Laden brachte es in der Sendung kaum auf die gleiche Sendezeit.

Zum Schluss mein Lieblingstext: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ entdeckt bei einem Blick über die bundesweite Gleiskante, dass der „Brückenwitz von Müngsten“ schlichtweg nicht mehr zu toppen ist. Dort schreibt Kollege Rossmann: „Angebrochene Achsen, eingefrorene Weichen, defekte Klimaanlagen – alles schon dagewesen. Dass aber die Fahrgäste in den Konstruktionsplänen keine Rolle mehr spielen, ist neu.“ Ehrlich, so schön hab ich´s noch nie gelesen.