Fast fünf Millionen Goldmark kostete vor 114 Jahren der Bau der Müngstener Brücke – damals ein Meilenstein im Brückenbau und eine Pionierleistung in der Stahlbautechnik. Seit gestern steht fest: 30 Millionen Euro wird die Deutsche Bahn AG in den nächsten vier bis fünf Jahren investieren, damit das einmalige Bauwerk auch in den nächsten 30 bis 50 Jahren als Schienentransportweg für den Personenverkehr genutzt werden kann.
Schulterschluss zwischen den bergischen Städten und der Bahn AG
Reiner Latsch, DB-Konzernbevollmächtigter in NRW, hob gestern im Haus Müngsten vor fast 100 Interessenten aus Politik, den Räten und Verwaltung der drei bergischen Städte sowie aus der Wirtschaft und Industrie den „sachlichen, wenn auch oft kritischen Dialog“ der letzten Jahre hervor. „Wir haben uns zusammengerauft und konstruktiv gearbeitet. Darum stehen wir auch voll hinter der Bewerbung zum Weltkulturerbe der Unesco.“
Dass die umfangreiche Sanierung auch wieder Vollsperrungen mit sich bringt, erläuterte Jörg Bistritz. Er ist Leiter der DB-Netz AG in Nordrhein-Westfalen. Bereits in den Sommerferien, ab Juli, werde für sechs Wochen wieder ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, damit die Längsträger, die Querträger und Verbände der Fahrbrücke ausgetauscht werden können. Auch in den Herbstferien wird es einen Schienenersatzverkehr zwischen den Städten Solingen und Remscheid geben. Dasselbe gilt für die Sommer- und Herbstferien 2013, wenn alle Lager und Teile der Gerüstbrücke verstärkt werden. 2014 und 2015 steht dann das Aufbringen des Korrosionsschutzes an. Gemeinsam mit den Städten will man auch für einen gut funktionierenden Ersatzverkehr mit Bussen sorgen. Die Verkehrsbetriebe Remscheid und Solingen stünden bereit, eine Konzession fehle aber noch.
Sanierungskosten für die Stadt oder das Land entstünden nicht, sagte Bistritz. Wohl aber will sich die Bahn um Mittel aus dem Denkmalschutz-Fördertopf des Landes bemühen.
Durchweg Erleichterung in der Politik, dass die Bahn Wort hält
Oberbürgermeister Norbert Feith und CDU-Ratsfraktionschef Bernd Krebs sind „rundum zufrieden“. Es habe sich gezeigt, dass die Bahn es nicht bei einem Lippenbekenntnis belassen habe. „Das ist ein Erfolg der bergischen Zusammenarbeit“, so Feith. Solingens Landtagsabgeordneter Arne Moritz (CDU): „Das Tauziehen um die Müngstener Brücke zeigt deutlich, was im Bergischen erreicht werden kann, wenn partei- und städteübergreifend zusammengearbeitet wird.“. Landtagsabgeordneter Josef Neumann (SPD): „Ich begrüße die Entscheidung der Bahn und vor allem die Zusage, dass keine Mehrkosten auf den Steuerzahler zukommen werden.“ Thomas Wängler, Verkehrsexperte der IHK Wuppertal-Remscheid-Solingen: „Ein guter Tag für das Bergische Land.“ NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne): „Das ist ein guter Tag für Solingen und das bergische Städtedreieck.“