Snippets
Snippets
20.10.2011 10:34
Drucken Vorlesen Senden
Mit Dampf zum Weltkulturerbe

Die lange Fahrt zum Weltkulturerbe beginnt. Etwa zehn Jahre wird es nach Einschätzung von Bodo Middeldorf dauern, bis die Müngstener Brücke im Idealfall in der Unesco-Liste verewigt wird. Der Start dieser Reise steht unmittelbar bevor. Nach Auskunft des Geschäftsführers der Bergischen Entwicklungsagentur (BEA) ist der Antrag, der sich ans NRW-Bauministerium richtet, unterschriftsreif. Das Papier, das nur wenige Seiten Text umfasst, wird Solingen in Kürze verlassen, am 31. Oktober endet die vorgegebene Frist.

 

HINTERGRUND

MÜNGSTENER BRÜCKE Die Bahn will bis 2015 rund 30 Millionen Euro investieren, um Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke zu sanieren. Für Dezember ist ein Gesamtgutachten angekündigt. Die minimale Restnutzungsdauer wird mit 30 Jahren angegeben.

WELTKULTURERBE Die Unesco-Liste enthielt im Juli 936 Denkmäler in 153 Ländern: 725 Kulturdenkmäler, 183 Naturdenkmäler und 28 Denkmäler, die sowohl als Kultur- wie als Naturerbe gelten.

Middeldorf präsentierte die Bewerbungsmappe gestern Mittag im Rathaus. So wie Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) hofft der BEA-Chef nun auf Unterstützung aus Düsseldorf. Das wäre Voraussetzung, um das Projekt dann im kommenden Jahr weiter in Richtung Berlin rattern zu lassen und somit auf die Bundesebene zu bringen, wo die nächste Hürde zu nehmen ist. Es gilt einen Platz auf der Vorschlagsliste für ganz Deutschland zu bekommen. Deren Projekte sind ab 2015 der Unesco-Kommission vorzulegen und abzuarbeiten.

Professor aus Aachen unterstützt
das Projekt als Gutachter

Bis Ende dieses Jahres erwarten Middeldorf und Feith nun zunächst einmal ein Signal aus Düsseldorf. Denn jedes Bundesland darf maximal zwei Vorschläge einreichen. Middeldorf sieht dabei für die Müngstener Brücke gute Chancen. „Es gibt wahrscheinlich nicht allzu viele Bewerbungen aus NRW“, glaubt er. Zudem repräsentiert das Bauwerk ein Stück Industriekultur. Dies sei ein Bereich, der bei den Anträgen für das Weltkulturerbe als eher unterrepräsentiert gelte. „Da gibt es eine gewisse Lücke“, sagt Middeldorf.

Als Problem könnte sich hingegen entpuppen, dass mit Müngsten wieder ein europäischer Standort den Stempel „Weltkulturerbe“ beantrage. Laut Oberbürgermeister Norbert Feith ist der Kontinent im Vergleich zu anderen äußerst stark in der Unesco-Liste vertreten.

Der Stadtchef hält es für sehr wichtig, dass die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Brücke den Vorstoß ebenso unterstützt wie Remscheid und Wuppertal. „Wir müssen geschlossen auftreten.“

Für den Antrag hat sich die BEA die Dienste eines Experten gesichert. Prof. Kunibert Wachten von der Technischen Hochschule Aachen gilt als Spezialist und erarbeitet ein Gutachten über die kulturelle und architektonische Besonderheit der Müngstener Brücke. „Ohne Honorar, aus rein wissenschaftlichem Interesse“, betont Stadt-Pressesprecher Lutz Peters.

Der Architekt und Stadtplaner Wachten hat bereits Gutachten im Auftrag der Unesco erstellt, die sich mit der Gefährdung von deutschen Weltkulturerbe-Stätten in Köln und Dresden beschäftigten.

Sollte der Antrag für die Müngstener Brücke die ersten Stationen erfolgreich passieren und in die engere Auswahl kommen, ist Geduld nötig, bis ein Ergebnis zu erwarten ist. „Zehn Jahre“, antwortet Middeldorf auf die Frage nach dem Zeithorizont. „Aber ein langes Verfahren ist für uns ja nur von Vorteil. Wir können dann die ganze Zeit damit werben.“ kra