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26.03.2009 09:05
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Kunden müssen Farbe bekennen
Von Thomas Kraft

In der kommenden Woche entscheidet sich die Zukunft des Beroma-Marktes an der Hasseldelle. Dann will Hans-Peter Harbecke sehen, wem es ernst ist mit dem Einkaufsladen, den seit der Eröffnung vor drei Jahren so viele liebgewonnen haben. Zwar hat sich der Verein „Wir in der Hasseldelle“ die Aufgabe aufgeladen, das Geschäft mit finanzieller Hilfe der Hartz-IV-Behörde am Leben zu halten. „Doch das geht nur“, macht Harbecke in seiner Funktion als 1. Vorsitzender des Vereins klar, „wenn auch die Menschen hier in der Siedlung zeigen, dass sie voll dahinter stehen“.

Dieses Signal zu setzen, ist nicht schwer. Harbecke plant, eine Genossenschaft zu gründen, die den Beroma-Markt übernehmen soll, wenn Ende April die insolvente Ittertal gGmbH als Träger aussteigt. Bis dahin will der Verein „Wir in der Hasseldelle“ die neue Form gegossen haben. „Es soll ja nahtlos weitergehen.“

Die Siedlung bietet mit ihren 2200 Menschen viel Potenzial

Von der Genossenschaft verspricht sich Harbecke zwei entscheidende Vorteile. „Sie schafft eine ganz andere Bindung.“ Wer Mitglied sei, unterstütze das Geschäft noch viel gezielter mit seinen Einkäufen. Aber die neue Rechtsform verspricht auch ein stabileres Finanzfundament. Anteile in Höhe von jeweils 100 Euro sollen beim Kauf der Ware und des Inventars ebenso helfen wie beim Aufbau einer soliden Eigenkapitaldecke. „Diese Scheine kann jeder zeichnen“, sagt Harbecke. Bei einer Pleite wäre „nur“ diese Einlage weg. Bei Überschüssen winken Ausschüttungen. Das Konzept sei attraktiv, meint der Vereinschef.

Zudem sucht Harbecke Gespräche mit den Wohnungsbaugenossenschaften, Kreditinstituten und Energieversorgern. Er hofft auf finanzielle Hilfe.

Erst einmal sind jetzt aber die Kunden an der Reihe. Etwa 2200 Menschen wohnen in der Siedlung. Im Durchschnitt zählt Markt-Leiterin Andrea Durst am Tag 200 Kunden an der Kasse. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die Beroma in der Hasseldelle mit viel Herzblut aufgebaut hat, hofft natürlich auch im eigenen Interesse, dass es weitergeht. „Die Unsicherheit der letzten Wochen war fürchterlich“, erzählt sie. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes werde sich erst verflüchtigen, wenn wirklich alles in trockenen Tüchern sei.

Momentan hat Andrea Durst alle Hände voll zu tun, ihre neuen Kollegen einzuarbeiten. Der Vertrag für die elf ABM-Kräfte, die ihr die Hartz-IV-Behörde drei Jahre lang bezahlt hat, ist in der vergangenen Woche ausgelaufen. „Beim Abschied haben wir mehr geheult als alles andere“, erzählt sie. Als Ersatz schickt die Behörde nun 1-Euro-Jobber, die alles von Grund auf lernen müssen. Es sind nicht nur weniger Kräfte, sondern sie arbeiten auch kürzer. Darum macht der Laden jetzt mittags von 13 bis 15 Uhr zu und schließt samstags schon um 13 Uhr statt um 16 Uhr.

Die Kunden stört das wenig. Sie schwören auf Beroma: „Meine Mutter (87) kauft ausschließlich hier“, sagt Brigitte Schumann, während sie an der Kasse bezahlt. „Der Geschäft ist nah, hat alles und die Bedienung ist nett. Sie wäre sehr beunruhigt, wenn Beroma schließen müsste.“ Auch Sabine Öztürk kommt regelmäßig her. „Vor allem wegen der Dinge, die man beim Großeinkauf vergessen hat.“ Bei Kindern sei der Laden ohnehin sehr beliebt. Noch wichtiger sei er aber für die Älteren und die, die kein Auto besitzen.

Hans-Peter Harbecke registriert die Bekenntnisse aufmerksam. „Am Dienstag bei der Bürgeranhörung kann die Bevölkerung beweisen, dass sie Beroma unterstützen will. Wenn sie nicht dahinter steht, können wir uns alles andere sparen.“

Bürgeranhörung, Dienstag, 31. März, 18 Uhr, Saal des Bürgervereins „Wir in der Hasseldelle“.