Die drohende Schließung der evangelischen Lutherkirche hat in den Solinger Kirchengemeinden Bestürzung ausgelöst – auch in den katholischen. Das ST sprach mit Pfarrer Bernhard Dobelke, seit 2010 Stadtdechant in Solingen, über die Kirchen und ihre Zukunftsperspektiven.
Könnte die Entscheidung, eine Kirche schließen zu müssen, auch in der katholischen Kirche notwendig werden? Bernhard Dobelke:Wir haben eine andere Struktur bezüglich der Finanzierung, deshalb müssen wir uns aktuell keine Sorgen machen, eine Kirche aus finanziellen Gründen schließen zu müssen. Anderes als in der evangelischen Kirche werden in der katholischen Kirche die Kirchensteuern zentral vom Bistum auf alle Gemeinden verteilt. Da kann man einiges besser steuern. Die Lutherkirche schließen zu müssen, ist natürlich kein schönes Zeichen für die Kirche in Solingen insgesamt. Traurig, dass es offensichtlich keine andere Chance gibt.
Wie viele katholische Kirchen gibt es denn in Solingen? Bernhard Dobelke:Wir haben drei Pfarrverbände. In MiNor (Mitte-Nord) gibt es vier Pfarrkirchen plus der Filialkirche Heiliges Kreuz, im Pfarrverband West vier Pfarreien und in Süd vier Pfarrkirchen plus der Kirche in Widdert, also insgesamt 14 Kirchen.
Machen die Denkmal-Auflagen anstehende Renovierungen zusätzlich schwierig? Bernhard Dobelke: Die meisten Kirchen sind ganz oder teilweise denkmalgeschützt, das bedeutet natürlich immer besondere Auflagen. Eine jüngere Kirche wie St. Michael am Central, die erst Ende der 50er Jahre gebaut wurde, steht allerdings nicht unter Denkmalschutz. Welche großen Sanierungsarbeiten stehen in den katholischen Kirchen an? Bernhard Dobelke: Aktuell laufen die Dachsanierungen an St. Joseph in Ohligs (ST berichtete) und an St. Mariä Himmelfahrt in Gräfrath. Für diese Projekte steht die Finanzierung. In der Regel zahlt die Gemeinde 30 Prozent der Kosten, den Rest trägt das Bistum. Unter Umständen gibt es auch etwas Geld aus Mitteln der Denkmalpflege, das ist meist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Davor waren die größeren Arbeiten die Innensanierungen von St. Clemens und von St. Maria Himmelfahrt in Gräfrath.
Sanierungskosten sind ein Problem, könnten auch sinkende Mitgliederzahlen mittelfristig für das Kirchensterben verantwortlich sein? Bernhard Dobelke:Wir liegen in Solingen bezüglich der Kirchenbesucher ganz gut, sind sogar etwas besser als der Bistums-Durchschnitt. Derzeit gibt es etwa 40 000 Katholiken in der Stadt, für die nächsten Jahre müssen wir uns da keine großen Sorgen machen. Richtig ist allerdings, dass die Besucherzahlen sehr stadtteil-abhängig sind. St. Michael, St. Joseph oder St. Clemens sind traditionell gut besuchte Pfarreien.
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