Gestern, 15 Uhr, in der Innenstadt: Der wolkenlose Himmel in Azurblau ist der krasse Kontrast zu den von kalten Windböen hochgepeitschten Staubwolken, die wie feiner, gelblicher Nebel über der Großbaustelle am Neumarkt liegen. Aus dem grob entkernten ehemaligen Turmhotel hört man mehrfach das schrille Kreischen von Metallflexgeräten. Es hallen dumpfe Schläge von schweren Fäustlingen aus den dunklen, meist entglasten Fenstern der 14 Etagen, hier und da übertönt von Bohrhämmern. Bei alledem „spielen“ Bagger mit ihren fast monoton brummenden Motoren die Hintergrundmusik.
Vom Parkhaus steht nur noch etwa ein Fünftel
Es sind die sicheren Zeichen: Der Abriss des Karstadt-Komplexes geht mit Riesenschritten voran. Das Parkhaus ist zu mehr als vier Fünfteln dem Erdboden gleichgemacht, vom Warenhaus steht nicht mehr die Hälfte: Das erlaubt jetzt am Neumarkt den bislang nicht gekannten Blick durch die Fassadenfront auf die Nordstadt und das Müllheizkraftwerk. Heute soll die Vorderfassade eingerissen werden: Ein riesiges, mehr als 15 Meter breites und einen Meter hohes Fallbett aus Erde und Schutt ist bereits auf dem Bürgersteig und dem Parkstreifen davor aufgeschichtet – aus Sicherheitsgründen.
An der Kasernenstraße werden Löcher gebohrt, um tonnenschwere Stahlträger bis zu 20 Meter tief in der Erde zu verankern: Sie sollen Stützwände halten, die die zukünftige Baugrube sichern.
Im östlichen Areal des Objektes leistet der nagelneue, 100 Tonnen schwere Hitachi-Hochbagger ZX 670 LC mit seinem bis auf 35 Meter Höhe reichenden Teleskopabbruchausleger ganze Arbeit. Seine Stahlzange knackt mit dem kaum vorstellbaren Druck von 300 bar die meterdicken Böden und Wände des Parkhauses. Die Zinken der Abbruchschere gleiten durch den Stahlbeton fast wie Messer durch Butter. Unterstützt wird der Bagger von einem kleineren „Bruder“. Arbeitsteilung ist angesagt: Dieser Bagger zerkleinert die größeren Betonteile. Weitere vier Bagger mit Sortiergreifern, Magneten und Kübeln leisten dann die Kleinarbeit.
„Es ist imposant, was hier abläuft“, sagt Egbert Moseke (69), der am Bauzaun die Arbeiten beobachtet. Und Petra Kretschmar (64) macht sogar Fotos: „Ich habe den Bau des Turmzentrums miterlebt, jetzt halte ich in Bildern auch den Abriss fest.“ Ihr Enkel Bela (3) schaut derweil gebannt auf die knatternden Baufahrzeuge. Auch Wolfgang Karwatzki (62) gehört mit seinem Berliner Freund zu den Interessierten, die sich fast täglich ein Bild vom Abrissfortschritt machen.
Sprengtermin des Turmes doch schon am 18. Dezember?
Bauarbeiter der Abrissfirmen und ihrer Subunternehmer sind sich einig: Der Wunsch-Sprengtermin des Turmhotels am 18. Dezember wird aller Voraussicht nach eingehalten werden können. Dies wollen die Bauherren, die MAB Development in Frankfurt und die Sonae Sierra in Düsseldorf, noch nicht bestätigen, verweisen aber auf eine Pressekonferenz am kommenden Dienstag.
Derweil haben sich Behörden und Hilfsorganisationen in vier Arbeitsgruppen längst auf die Sprengung vorbereitet. Polizei, SWS-Verkehrsbetrieb und Straßenverkehrsbehörde kümmern sich am Sprengtag um den Verkehr, Feuerwehr, DRK, THW, Malteser und Johanniter um die Evakuierung und den Notfallplan „Rettung“, Polizei, Bezirksregierung, Ordnungs- und Umweltamt um die Genehmigungen und deren Einhaltung sowie die Stadt um die Öffentlichkeitsarbeit. hpm
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